Ombra mai fu … In den süßesten, zartesten Tönen besingt der despotische Kaiser Xerxes seine Liebe zu einer Platane. Wie kann ein Militär, ein Diktator in Uniform, der seinem Bruder aus einer spontanen Laune heraus dessen große Liebe streitig macht, eine Platane so zu Herzen gehend musikalisch anbeten? Eine unterhaltsame und frisch-fröhliche Matinee in der Oper Bonn nahm diese und viele andere Fragen zwei Wochen vor der Premiere der Barockoper Xerxes von Georg Friedrich Händel unter die Lupe.
Herrengewandmeister an der Oper Bonn – Gerd Kreuzer im Porträt
Schwarzbefrackt sitzen die Damen und Herren im Orchestergraben. Einheitlich und sehr dunkel gekleidet nehmen sie sich in der Oper optisch so weit wie möglich zurück. Das Publikum soll die Musiker akustisch erleben, nicht optisch. Ganz anders die visuelle Ausdruckskraft der Sängerinnen und Sänger auf der Bühne: Neben ihren Sangeskünsten wirken auch ihr Schauspiel und vor allem die Kostüme. Für die Gewänder der Herren zeichnet in Bonn Gerd Kreuzer verantwortlich. Was genau umfasst dabei seine Aufgabe?
Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerung
Fünf Minuten erst, bevor der Dirigent den Taktstock hebt, öffnen sich die Türen der Werkstatt, der (ganz) kleinen Schwester im Windschatten der Oper direkt am Rhein. Die reduzierte Besetzung des Beethoven Orchesters wird – bis auf die glänzenden Instrumente – eins mit dem schwarzen Theaterraum. Aber zwei Drittel des wie im Amphitheater unten liegenden Spielraums sind weiß. Ein Gegensatz, der sich wie ein Leitmotiv durch diesen Opernabend zieht.
Die Fledermaus
Wo die Oper Bonn mit sehr schwerem Stoff – Der Kaiser von Atlantis – zum Beginn der Spielzeit aufwartet, zeigt sich das Casinotheater Winterthur von der immerfrohen, heiteren Seite. Lest selbst, wie Die Fledermaus dort für alle Missgeschicke einer Nacht verantwortlich gemacht wird. Mein Blogger-Kollege Adrian aus der Schweiz war dort zur Premiere.
Der Heldenbariton mit Humor – A Lunch Date mit Mark Morouse
Salzburg. Das Mozarteum. Ein Traum, den viele ehrgeizige junge Talente hegen. Hier begann Mark Morouse sein Studium der Bassposaune und schwenkte dann auf Gesang um. Sein Hochschullehrer Rudolf Knoll riet ihm dazu und schickte ihn gleich zu Beginn zum Vorsingen an der Bayerischen Staatsoper ins Nationaltheater München – mit genau zwei Arien im Repertoire.
An den Tasten jubelt meine Seele
Große Anerkennung heimste Julia Strelchenko im Premierenbericht zur Hochzeit des Figaro ein für ihre „sehr gewitzte Hammerklavier-Begleitung“* der Rezitative. Ein Lob der Sonderklasse! Seit einem Jahr arbeitet sie als Studienleiterin und Pianistin am Theater Bonn.
Oberst Chabert oder die Gräfin mit zwei Ehemännern
Die ersten Takte der Marseillaise hören wir fünfmal – kein Wunder, dass Oberst Chabert sehr bald nach der Uraufführung 1912 im wahrsten Sinne des Wortes sang- und klanglos in der Musikgeschichte versank. Bis Andreas K.W. Meyer sie vor acht Jahren für eine konzertante Aufführung an der Deutschen Oper Berlin wieder ausgrub und auch da und dort schon Jacques Lacombe dirigierte.
Ein Toter kehrt zurück – Oberst Chabert
Die Schätzungen liegen weit auseinander. Zwischen 65.000 und 200.000 Opernwerke mögen komponiert worden sein, wenn die Zeitrechnung mit Monteverdis L’Orfeo so um 1600 herum beginnt. Daraus kristallisierte sich ein Repertoire, eine Hitliste, von 25 Opern heraus, die landauf, landab, länder- und kontinenteübergreifend ihren Weg auf die Bühnen der Welt finden. Warum dann Oberst Chabert von Hermann Wolfgang von Waltershausen jetzt am Theater Bonn?
Übertitel in der Oper – das magische Textband
15 Meter über dem Parkett prangt oberhalb vom 2. Rang im Theater Bonn die Beleuchterbrücke. Eng ist es dort, sommers wie winters 33 Grad heiß. Gitterstäbe verhindern, dass Menschen, die hier oben arbeiten, sich mit einem falschen Tritt in die Tiefe katapultieren. Herauf kommt man nur über die stählerne Hühnerleiter. Die erklimmen allabendlich die Übertitler, ohne die es noch nie eine Vorstellung gab.
Anna Princeva – von der Konzertpianistin zur Operndiva
Die Wimperntusche rinnt in kleinen Bächen über die Wangen. Tränenüberströmt sitzt eine junge Frau im Parkett. In ihrem Inneren so tief berührt, dass die Kommilitonen sie wie aus einer Trance zurückholen müssen. Was war passiert? Anna Princeva, Musikstudentin mit Schwerpunkt Klavier, hospitiert in der Oper und hört, sieht, erlebt Tosca. Und es ist um sie geschehen.