Oberst Chabert oder die Gräfin mit zwei Ehemännern

Die ersten Takte der Marseillaise hören wir fünfmal – kein Wunder, dass  Oberst Chabert sehr bald nach der Uraufführung 1912 im wahrsten Sinne des Wortes sang- und klanglos in der Musikgeschichte versank. Bis Andreas K.W. Meyer sie vor acht Jahren für eine konzertante Aufführung an der Deutschen Oper Berlin wieder ausgrub und auch da und dort schon Jacques Lacombe dirigierte. 

Ein Toter kehrt zurück – Oberst Chabert

Die Schätzungen liegen weit auseinander. Zwischen 65.000 und 200.000 Opernwerke mögen komponiert worden sein, wenn die Zeitrechnung mit Monteverdis L’Orfeo so um 1600 herum beginnt. Daraus kristallisierte sich ein Repertoire, eine Hitliste, von 25 Opern heraus, die landauf, landab, länder- und kontinenteübergreifend ihren Weg auf die Bühnen der Welt finden. Warum dann Oberst Chabert von Hermann Wolfgang von Waltershausen jetzt am Theater Bonn?

Übertitel in der Oper – das magische Textband

15 Meter über dem Parkett prangt oberhalb vom 2. Rang im Theater Bonn die Beleuchterbrücke. Eng ist es dort, sommers wie winters 33 Grad heiß. Gitterstäbe verhindern, dass Menschen, die hier oben arbeiten, sich mit einem falschen Tritt in die Tiefe katapultieren. Herauf kommt man nur über die stählerne Hühnerleiter. Die erklimmen allabendlich die Übertitler, ohne die es noch nie eine Vorstellung gab. 

Anna Princeva – von der Konzertpianistin zur Operndiva

Die Wimperntusche rinnt in kleinen Bächen über die Wangen. Tränenüberströmt sitzt eine junge Frau im Parkett. In ihrem Inneren so tief berührt, dass die Kommilitonen sie wie aus einer Trance zurückholen müssen. Was war passiert? Anna Princeva, Musikstudentin mit Schwerpunkt Klavier, hospitiert in der Oper und hört, sieht, erlebt Tosca. Und es ist um sie geschehen. 

Auf einen Kaffee mit Giorgos Kanaris

Auf einen Kavalierbariton hatte ich mich gefreut, dessen Mozartinterpretationen des Don Giovanni und des Grafen Almaviva lange nachhallen. Und wen treffe ich? Einen Bariton, der sich zunächst einmal als echter Kavalier entpuppt. Mit dem griechischen Charme eines Opernsängers, der einen Hauch von Romantik und Melancholie von seiner Herkunft mitbringt. Giorgos Kanaris kommt aus Athen, ist in Piräus geboren und aufgewachsen. Ach ja, der 1960er Schlager „Ein Schiff wird kommen …“. Da wartet ein Mädchen aus Piräus auf den einen und es geht wie in der Oper um Sehnsucht und Liebe.*

I due Foscari – ein Politkrimi in großzügig bemessener Tatortlänge

Gut 100 Minuten Spielzeit erwartet das Bonner Opernpublikum bei der  hier erstmals aufzuführenden frühen Verdi-Oper I due Foscari. Will Humburg, seit  10 Jahren musikalischer Leiter von umjubelten Operninszenierungen am Theater Bonn, weiß mit dem Regisseur Philipp Kochheim einen Experten an seiner Seite , der mit Tosca bereits für Furore sorgte. Frech, witzig, überraschend und unkonventionell inszeniert er.