Staatstheater – 50 Jahre danach

Kein Skandal, nirgends. Als 1971 Mauricio Kagels Staatstheater zum ersten Mal auf dem Spielplan stand, gab es Bombendrohungen und Polizeischutz. Gesellschaftlich und politisch stellte die junge Generation alle Institutionen der bottbiederen Nachkriegsrepublik infrage. Und Kagel sezierte die Oper. Altehrwürdig das Repertoire, dominant die Maestri im Graben, „zeitgenössisch“ die Regie, „stiefstaats“ gewandet das Publikum. Da war die Anti-Oper nahezu fällig. Was von Kagels revolutionären Ideen ist in Bonn knapp 50 Jahre später zu erleben?

Shakespeare unkaputtbar – Sämtliche Werke leicht gekürzt

Den ersten Lacher räumt jeder ab, der nur den Titel dieses heiteren Theaterabends ausspricht: Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt). Am besten wirkt es, wenn vor der mitgesprochenen Klammer eine Kunstpause steht. Klar, auch ohne Anglistikstudium dämmert jedem sofort, dass das Mammutwerk des Barden aus Stratford bereits in jedem einzelnen der insgesamt 37 Dramen eine riesige Herausforderung birgt. Also auf in den Parforceritt der galoppierenden Werkschau!

Lektüre für Liebhaber

Es lebe das Klischee! Da scheint eine wehrhaft-beleibte Walküre aus der Zeit und dem Reich der Mythen und Sagen ihren umfänglichen Sopran erklingen zu lassen. Oder halt, beabsichtigt sie, den Überlandbus an der Haltestelle Oortkatenufer im südhamburgischen Marschland Ochsenwerder zum Anhalten zu bringen? Wir müssen passen, denn grau wie der wolkenverhangene Himmel ist auch hier die Theorie. Was aber den seriösen Klett-Cotta Verlag mit dem geflügelten Greif dazu bewogen hat, ein so kluges, unterhaltsames, ausgezeichnet geschriebenes Buch zur deutschen Opernlandschaft mit diesem Cover und dem Walküre in Detmold herauszubringen? Hier wird die Provinz der Lächerlichkeit preisgegeben. Satire? Die stattliche Brüllhilde?

Was ist das Theater dem Publikum schuldig?

Sicherheit! In den Zeiten, in denen Theater, Oper und Tanz zwischen depressivem Absturz  und verhalten realistischem Optimismus oszillieren, hat die Sicherheit für das Publikum und die Mitarbeitenden top Priorität. Was das konkret für alle Sparten der städtischen Bühnen bedeutet, erläuterten GMD Dirk Kaftan, Intendant des Schauspiels Jens Groß, Generalintendant Dr. Bernhard Helmich und die Kuratorin von „Quatsch keine Oper!“ Rita Baus.

BRuCH – neue Musik in der Kunst-Station Sankt Peter in Köln

In asketischer Gotik empfängt die Kirche der Jesuiten Sankt Peter Köln ihre Gäste. Minimalismus in jeder Hinsicht. Keine Kirchenbänke, 20200516_125243kein Schmuck, keine Seitenaltäre zur Anbetung der Heiligen. Im hillije Kölle eine Ausnahme! Zwischen Volkshochschule, Rautenstrauch-Joest-Museum und der Stadtbibliothek Köln, also in einem abgezirkelten Kulturdreieck, reichen zehn Schritte, um gut 500 Jahre in der Zeit zurückzugehen. Und das lohnt sich.

Ohne Oper in schwierigen Zeiten

Das kulturelle und gemeinschaftliche Leben in unserem Land ist lahmgelegt. Niemand weiß, wann wir zu einer wie auch immer gearteten Normalität zurückkehren. Erst vor zwei Wochen haben wir die rauschende Premiere der FLEDERMAUS in der Oper Bonn gefeiert – die Champagnerlaune ist uns allen mittlerweile vergangen.

Auf dem Foto hier seht ihr die Otto-Piene Lampe im Foyer der Oper Bonn – mit ihrem Sputnik. Otto-Piene-LampeSieht dem potenten C-Virus in seiner grafischen Darstellung ziemlich ähnlich, oder? Der selbe Lichtkünstler hat auch den „Sternenhimmel“ im Opernhaus entworfen. Seit meinem ersten Besuch in diesem Haus liebe ich den Moment, wenn die tausend einzelnen Leuchten langsam verblassen und die Vorstellung beginnt. Mögen die Lampen ein Zeichen sein, dass das Opernhaus in naher Zukunft, am liebsten bald, wieder eröffnet und wir uns dann gesund wiedersehen. 

Lichtkunst trägt zum Gesamterlebnis bei, und den Wert und die Wirkung von Kultur und Musik bringt der Bonner GMD Dirk Kaftan hier  noch einmal deutlich zum Ausdruck. Sichtlich betroffen gibt er bekannt, dass das Projekt BTHVN Rheinfrachter mit einer Schiffsreise zu den Schaffensorten des Jubilars ausfällt. 

Mit Oscar Wilde, dem schillernden irischen Schriftsteller der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, kommt meine Zuversicht zu euch: Oscar Wilde

 

DIE FLEDERMAUS – Der Champagner und seine Folgen

Frosch und Feuermelder im Duett – dieses Intermezzo bei der Premiere von Johann Strauss‘ Operette Die Fledermaus gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder.*  Was sich wie eine bedrohliche Notsituation ankündigte, entpuppte sich zum Zuckerl in der spritzig-witzigen neuen Inszenierung des Operetten-Oldies von Aron Stiehl. Der Gefängnisdiener Frosch hatte seinen großen Auftritt vor seinem eigentlichen Einsatz. Und das kam so.

IL TROVATORE – ein Kammerspiel in Köln

Lagerfeuer und lodernde Flammen? Festungsmauern und finstere Kerker? Waffenklirren und feindliche Truppen? Auf die bewährten Zutaten zu Guiseppe Verdis Il trovatore verzichtet der russische Regisseur Dmitri Tcherniakov vollständig. Allerdings nur in Form der szenischen Anlage. Er legt verklärende, halb wahnsinnige Naturromantik,  rasende Eifersucht und seelische Geiselnahme, Aggression, Brutalität, Mord und Selbstaufgabe in das Innenleben der Personen seines Dramas. Und blättert die zahlreichen Erzählstränge der Handlung wie einen Seelenstriptease der Protagonisten nach und nach auf.

Daniel Johannes Mayr – Dirigent mit Mut, Kraft und Freude

Im Graben ist er der Größte. Jedenfalls was sein Gardemaß angeht. Von Daniel Johannes Mayr sieht das Publikum beim Dirigieren nicht nur, wie er den Taktstock durch die Luft sausen lässt, sondern auch seinen markanten Kopf. Und wenn er sich dem Publikum zuwendet, um es zu begrüßen, lächelt er wie bei einem Date, auf das er sich nun freut.