Alles geplant, als wäre gar nichts – die Spielzeit 2022/23 am Theater Bonn.

In die Vollen gegriffen hat das Theater Bonn mit Oper und Schauspiel für die nächste Spielzeit. Acht Premieren und drei Wiederaufnahmen stehen auf dem Programm des Musiktheaters, ganze 14 Stücke will das Schauspiel präsentieren. Wenn, ja wenn … „Dieser Plan kann nur coronafrei realisiert werden“, so der Generalintendant Dr. Bernhard Helmich. Aber Optimismus zeichnet die Theatermacher aus: Die trotz Pandemie erfreuliche Entwicklung der Besucherzahlen gibt ihnen allen Grund dazu. Die Bonner Bürgerinnen und Bürger lieben ihre Kultureinrichtungen und zeigen in der Krise ihre Loyalität.

Christoph Wagner-Trenkwitz – ein Wiener Theater-Vollblut

Der Frosch in Johann Strauss‘ Fledermaus – die Keimzelle für alle 3. Akt-Komiker der Wiener Operette und eine Traumrolle für Christoph Wagner-Trenkwitz, der nunmehr in der zweiten Spielzeit das Bonner Publikum mit dem slivovitzgetränkten Granteln dieses Gefängnisdieners erfreut. Seinen gut 10-minütigen Monolog, gespickt mit tagesaktuellen satirischen Anekdoten, schreibt CWT, wie er gern seine Nachrichten unterzeichnet, stets selbst. Und präsentiert diese komische Gestalt so hinreißend, dass er für die übernächste Saison an zwei Bühnen seines Heimatlands Österreichs Angebote hat, den Frosch zu verkörpern. 

Béatrice et Bénédict – Bachelorette and Bachelor im Schlagabtausch

Freiheit und freche Fröhlichkeit gegen Bügelbrett und Babywäsche eintauschen? Das kommt für die blitzgescheite Béatrice nicht infrage! Bis … bis sie und ihr Pendant, der fesche, aber unbeirrbar ehefeindliche Offizier Bénédict, einer possierlichen Intrige zum Opfer fallen, die sie in die Ehe zwingt. Dann unterwirft sich die eine seufzend ihrem Frauenschicksal mit Kinderwagen und Küchenmixer und der andere setzt schon mal vorsorglich die Hörner des betrogenen Ehemanns auf. Shakespeare light! Hector Berlioz extrahierte aus Shakespeares heiterster Komödie Much Ado About Nothing 260 Jahre nach deren Entstehung ein Sujet, das über die Jahrhunderte hinweg bis heute an Aktualität nichts eingebüßt hat: Geschlechterkampf und Gleichberechtigung.

UPLOAD – für das ewige Leben?

Die Sehnsucht nach dem ewigen Leben erfüllt in der westlichen Welt das Heilsversprechen der christlichen Lehre. Der einzige Nachteil dabei: Zuerst muss der Mensch sterben. Und mit ihm alles, was seine biologische Materie ausmacht. Nicht aber sein Geist, wenn er denn mit modernster Technologie aufgezeichnet und auf weltweit verstreuten Servern digitalisiert und in blockchains gespeichert wird. Avatar, Matrix und das gute alte Frankenstein-Monster schwingen mit, wenn es darum geht, den Geist oder die Identität einer autonomen Person zu transferieren. Zu diesem hochkomplexen, multiperspektivischen Thema hat Michael van der Aa hat ein faszinierendes Bühnenstück geschaffen, das jetzt endlich seine deutsche Erstaufführung in der Oper Köln erfuhr.

Ernani – Alles eine Frage der Ehre

Um der Ehre willen das eigene Leben verpfänden – das ereignet sich nur im Umfeld einer grotesken Moral, vielleicht im engen Netzwerk der Mafia. Oder eben in der Oper! Giuseppe Verdis erster Welthit Ernani, 1844 in Venedig uraufgeführt, nutzt das Drama Hernani oder die kastilische Ehre von Victor Hugo als Vorlage. Von Mantel-und-Degen Stück über Eifersuchtsdrama, kaiserliche Himmelfahrt und tragischem Finale bietet Ernani ein Wechselbad der Gefühle. Und das Publikum hat seine Freude daran, genießt in der Oper Bonn eine temperamentvolle Premiere dieses ungestümen frühen Verdi.

Der Meister und Margarita – In Köln ist der Teufel los

Ein satanischer Schabernack, eine politische Groteske, eine surreale Fantasie – der dicht gewebte und kunstvoll verzahnte Roman Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow bietet die literarische Vorlage für die gleichnamige Oper von York Höller. Der Kölner Komponist arbeitete fünf Jahre lang an dem Werk, bevor es 1989 an der Opéra Paris im Palais Garnier in einer Inszenierung von Hans Neuenfels uraufgeführt wurde. Eine musikalische und dramaturgische Herausforderung, der sich die Oper Köln nun nach fast 30 Jahren zum zweiten Mal stellt.

Oper – Die 101 wichtigsten Fragen

Endlose Regale mit Büchern zum Thema Oper füllen die Fachbibliotheken. Die Musikwissenschaft beschäftigt sich mit allen Aspekten dieser 400 Jahre alten Kunstform, analysiert Form, Inhalt, Historie und Sozialgeschichte des großen Bühnenspektakels. Und das alles im Schnelldurchgang in einem schmalen Taschenbuch zusammengefasst? Ein Kompendium für die Handtasche? Opera to go?

Georg Friedrich Händel – Feuerwerk und Halleluja

Wo Könige gekrönt und royale Hochzeiten gefeiert werden, dort liegt Georg Friedrich Händel in der Westminster Abbey in London begraben. Den Schöpfer von unsterblich schöner Musik für die Ewigkeit ehrt auch in diesem Jahr wieder unmittelbar nach seinem 337. Geburtstag das Staatstheater Karlsruhe mit den Internationalen Händel-Festspielen. Ein Jubiläum besonderer Art begehen allerdings die Händel-Festspiele in seiner Geburtsstadt Halle. Zum 100 Mal jährt sich dieses Event exquisiter Barockmusik mit dem genius loci. Händel und der einhundertjährigen Tradition zu Ehren hat die Stiftung Händel-Haus eine Festschrift herausgegeben mit dem Titel Feuerwerk und Halleluja.

Ein Feldlager in Schlesien – Die Matinee

Preußens Glanz und Gloria und die Ikone Friedrich der Große im Mittelpunkt einer Oper mit dem befremdlichen Titel Ein Feldlager in Schlesien. Warum nimmt die Oper Bonn dieses Stück, das seit 130 Jahren auf eine erneute szenische Aufführung hier am Rhein wartet, ins Programm? Von ihrer Uraufführung 1844 in Berlin war sie als Nationaloper für ein halbes Jahrhundert die künstlerische Richtschnur für das Selbstverständnis des mächtigen Preußen. Wie erwächst daraus eine aktuelle, zeitgemäße Opernproduktion?