Die Vögel – Politparabel im Federkleid

Da tummeln sie sich auf verbrannter Erde … alle Vögel, alle. Ja, eine Vogelhochzeit gibt es auch zu feiern, aber fernab von Folklore. Und die Vogelschar so bunt gewürfelt an Arten wie ihr Gefieder in der Natur. Hier allerdings in mattem Grau, blassem Flieder und lehmigem Braun, obwohl Flamingos, Adler, Störche und Meisen mitspielen. Dabei auch der kluge Rabe und der faule Kuckuck. Seit der griechischen Antike tragen die charakterlichen Zuschreibungen der Tiere typisch menschliche Züge. Auch so in der Oper Die Vögel von Walter Braunfels, die vor 101 Jahren in München uraufgeführt und in Köln in jüngerer Zeit 1991 und 1999 gespielt wurde.

Don Carlo – die Matinee

Willkommen in der Verdi-Stadt Bonn – so verlieh Uwe Schweikert der Beethoven-Stadt einen neuen Titel. Warum? Nirgends sonst sind in letzten Jahren so zahlreiche Repertoire-Renner wie auch weniger bekannte (Früh-) Werke von Giuseppe Verdi aufgeführt worden wie hier am Rhein. Darunter I due Foscari, Jérusalem, Giovanna d’Arco, La traviata, Les vêpres siciliennes, Aida und Attila. Nun steht Don Carlo auf dem Programm, am 12. Dezember 2021 findet die Premiere statt.

LA CENERENTOLA – Prinz sucht Frau

Triumpf der Tugend – den feiern Musik, Gesang, Tanz und Spiel in Gioachino Rossinis La Cenerentola an der Oper Bonn. Das Volksmärchen Aschenputtel, seit der Antike weit verbreitet und in unzähligen Opern, Theaterstücken und Filmen bearbeitet, hat sich zum beliebten kulturellen Allgemeingut entwickelt. Zu schön ja auch die Geschichte von der missliebigen Tochter, die in Ruß und Asche die schmutzige Arbeit im Haus des Vaters und der beiden Schwestern verrichtet. Ihr gutes Herz, ein wenig Engels-Magie und ein, zwei Prisen Zauberstaub verschaffen ihr den Platz an der Seite des Prinzen. 1817 in Rom uraufgeführt, sprüht die Oper auch heute, mehr als 200 Jahre später, vor guter Laune und Lebenslust.

L’Amour de Loin – Die Liebe aus der Ferne

Ganz sachte klingt die Musik aus, ganz behutsam erlischt das Licht, ganz innig versunken lässt Clemence die Asche aus ihrem Schatzkästchen rinnen. Eine unmögliche Liebe vergeht. L’Amour de Loin endet mit leisem Abschied. Die Oper Köln zeigt zum ersten Mal dieses Werk der finnischen Komponistin Kaija Saariaho und dem libanesischen Librettisten Amin Maalouf, das 2000 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt wurde. Ein opulentes Bild- und Klangerlebnis, vom Kölner Premierenpublikum mit großem Beifall und Jubel bedacht.

Leonore 40/45 – eine Nachkriegsoper erwacht zu neuem Leben

Gewagt und gewonnen! Mut, Liebe, Musik und eine Prise magischer Kräfte verschaffen der Geschichte um Yvette und Albert ein glückliches Ende. Als Gewinner des Abends allerdings trägt die Oper Bonn den Preis davon. Nachdem Leonore 40/45 für mehr als sechs Jahrzehnte vom Spielplan verschwand, feierte sie nun eine fulminante Auferstehung. Die Zwölftonkomposition von Rolf Liebermann mit dem Libretto von Heinrich Strobel erzählt als opera semiseria vordergründig eine Liebesgeschichte mit märchenhaften Zügen. Tatsächlich greift sie ein Einzelschicksal heraus, um den Irrsinn des „Zirkus Hitler“ nicht als Geschichtsstunde, sondern als historische Metapher für Krieg, Leid, Hunger, Gewalt, Elend und schließlich für auch heute noch herrschenden Formalismus zu veranschaulichen.

ARABELLA – Der, die, das Richtige

Das war sehr gut, wie Arabella sagen würde. Mit herzlichem Beifall und standing ovation würdigte das Publikum die erste Opernpremiere des Theater Bonn nach der langen Durststrecke. Als Glücksgriff entpuppte sich, dass die Wahl für die Wiedereröffnung auf Arabella, die letzte Oper des Erfolgsduos Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal, fiel. Der ganze Zauber, die Poesie dieses Stücks, der Wunsch nach Glück, Vertrauen und dem eigenen richtigen Platz im Leben, ausgedrückt in der Kongruenz von Sprache, Schauspiel und Musik, fasziniert auch heute, 88 Jahre nach der Uraufführung in Dresden. Diese erfolgte unter höchst umstrittenen Umständen. Am 1. Juli 1933 erteilten Nazi-Offiziere wenige Minuten vor Beginn der Vorstellung dem politisch unliebsamen Dirigenten Fritz Busch Berufsverbot mit sofortiger Wirkung. Strauss schritt nicht ein und die Vorführung fand vor einem vollen Haus mit lauter Parteifunktionären statt. Seine Familie (mit ihren jüdischen Mitgliedern) und die Musik haben in seinem Leben stets Priorität gehabt, Politik sei ihm immer fern und fremd gewesen, so Strauss retrospektiv.

Leonore 40/45 – Die Matinee

Liegt es am Termin – Bundestagswahl 2021 – oder an dem einigermaßen exotischen Stück, dass heute nur rund 60 Interessierte den Weg ins Foyer der Oper Bonn finden? Im Mittelpunkt steht Leonore 40/45 von Rolf Liebermann, 1952 erfolgreich in Basel uraufgeführt, um dann in Berlin und Mailand komplett durchzufallen. Michael Struck-Schloen, Musikredakteur im WDR3, moderierte exzellent vorbereitet die Matinee. Sein Gespräch mit dem Regisseur Jürgen R. Weber und dem Dirigenten Daniel Johannes Mayr, musikalische Kostproben von Santiago Sanchez, Pavel Kudinov und Igor Horvath am Klavier und zahlreiche Einspielungen beantworten die Gretchenfrage: Ist die Oper schön oder modern?

Marco Arturo Marelli – der Schweizer Regisseur im Gespräch

Der Ring sticht sofort ins Auge. Am rechten Ringfinger trägt Marco Arturo Marelli den Ehrenring der Wiener Staatsoper, der ihm 2010 verliehen wurde. Der massive Goldring hat seinen Namen eingraviert an der Außenseite und weist ihn als Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper aus. Marelli nimmt den Ring ab und erläutert die kunsthandwerkliche Gestaltung: „Innen sind rund die Logen der Staatsoper abgebildet, und der rotleuchtende Karneol stellt den Vorhang dar. Von außen ziert den Stein die Fassade der Wiener Staatsoper, wie eine Gemme gearbeitet.“ 2004 wurde dem Regisseur nach 12 Inszenierungen dort, gleich nach der Uraufführung der Medea von Aribert Reimann, die Auszeichnung verliehen. Den Ring trägt Marelli immer bei der Arbeit.

ARABELLA – Die Matinee

Nur eine Neuauflage? Arabella als zweite Ausgabe des Rosenkavalier, nur eben ein bisschen anders? Das Duo Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss wollten durchaus an den – auch wirtschaftlichen – Erfolg des Rosenkavalier anknüpfen und Strauss hatte sich von seinem Textdichter ausdrücklich ein leichtes, heiteres Stück gewünscht. Welche Themen greifen sie auf, welche entwickeln sie weiter? In der Matinee zu Arabella moderierte Bernhard Hartmann das Expertengespräch mit dem Regisseur Marco Arturo Marelli und dem Generalmusikdirektor der Oper Bonn, Dirk Kaftan.