Agrippina – mit den Waffen einer Frau

Jubelrufe hallen durch die Lagunenstadt. Die Venezianer huldigen einem Ausländer. Noch nie galt solch ein Applaus einem fremden Komponisten, nie zuvor begeisterte ein Deutscher das verwöhnte Patrizierpublikum der Freien Republik Venedig in einem solchen Maße. „Viva il caro Sassone!“ – Hoch lebe der liebe Sachse! Offensichtlich hatte Georg Friedrich Händel, der gerade von England aus bis nach Neapel gereist war und die Tradition der italienischen Oper dort studierte, einen Nerv getroffen. 1709 feierte Agrippina Premiere und das Entzücken lag gleichermaßen in der Musik wie im Libretto begründet. Was genau riss die Venezianer von den Stühlen? Worin lag die Sensation?

Mazeltov, Rachel’e

Banal der Ort des Geschehens: zwei Zimmer, Küche, Treppe, Bad in Köln-Mülheim. Eine alte Dame bereitet das Pessach-Fest vor. Grandios: Isoldes Liebestod am Ende der Revue. Eine Mezzo-Arie, die alles Gefühl dieser Welt umfasst, komponiert von einem dezidierten Antisemiten. An der Küchenwand ein Plakat mit dem Konterfei einer schönen Sängerin. Lea Singer chante Richard Wagner. Das Spannungsfeld des Jubiläums von „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ gestaltet Christian von Götz mit einer 90-minütigen musikalischen Farce in der Oper Köln. Ein atemloser Ritt durch weitgehend unbekannte Nummern jüdischer Komponisten, der die Gefühlsklaviatur von herzhaftem Lachen bis zu mitfühlenden Tränen bespielt.

Faust – Das Leben ein Nichts?

Ein Kameraobjektiv in den dunklen Saal gerichtet, Scheinwerfer gleiten suchend über die Köpfe des Publikums. Was wie ein Fehler des Beleuchters wirkt, soll sich als zentrale Frage des Abends entpuppen. Was, wenn jeder und jede Einzelne am Ende des Lebens Bilanz zieht und alt, matt und allein das Resultat in vier Buchstaben fasst: Rien! Dieses Nichts als das globale Lebensgefühl während der 15-monatigen Pandemie? Auf sich selbst geworfen die Einsamkeit aushalten und sich mit existenziellen Fragen auseinandersetzen?

Venedig und die Oper

Der Serenissima, der Allerdurchlauchtesten, der ehrwürdigsten unter den faszinierenden Kulturstädten der Welt, widmet der Niederländer Willem Bruls sein Buch Venedig und die Oper. Auf den Spuren von Vivaldi, Verdi und Wagner. Alle Wege führen (sprichwörtlich) nach Rom, aber alle Opern haben ihren Ursprung in Venedig. Auf der Suche nach Schauplätzen, Theatern und Opernhäusern, nach Geburtshäusern, Sterbezimmern und Inspirationsorten nimmt der Autor seine Leserschaft bei 19 Stadtspaziergängen an die Hand. Klug und konzis, musikalisch, literarisch und historisch bestens bewandert eröffnet er Einblicke in Leben und Werk der größten Protagonisten der Oper in den letzten 400 Jahren.

Der Klang der Wälder

Landschaften aus Tönen und Klängen malt Natsu Miyashita in ihrem kleinen, feinen Roman Der Klang der Wälder. Tomura wächst in einem Bergdorf auf, und erst in der Oberschule stößt er zufällig auf einen Flügel und einen Klavierstimmer, der das Instrument für ein anstehendes Konzert präpariert. An Ort und Stelle, ohne musikalische Ausbildung, entscheidet er, ebenfalls diese Berufslaufbahn einzuschlagen. Wie der junge Erzähler nun sein Wachsen und Werden schildert, entwickelt sich zu einer Hymne an die Musik und an das Leben.

Mozart In The Jungle

Die New Yorker Philharmoniker treten eine Konzertreise nach Südamerika an und landen auf dem abgelegenen Flughafen der Wasserfälle von Iguassú. Allerdings ohne Cello, Kontrabass und Konzertkleidung, die in großen Koffern am Flughafen von Sao Paolo blieben. Schubert, Villa-Lobos und Mozart stehen auf dem Programm – und nur mit acht Bläsern gerät Mozarts Serenade zu einem Spektakel. Stehende Ovationen inbegriffen.

Abend-Andacht

Innig an etwas denken, das Hier-und-Jetzt völlig abstreifen, meditieren … Eine Andacht als eine spirituelle Auszeit, ein Reflektieren und – im kirchlichen Sinne – ein Dankesgebet, eine imaginäre Reise nach innen. Das Ensemble paper kite hat mit seiner zweiten CD eine Abend-Andacht geschaffen, deren Musik und Texte einen Funken Hoffnung und das Denken an ein besseres Morgen verbinden. Genau das als Trauma- und Krisenbewältigung, was so viele Menschen jetzt wie Balsam für ihre Pandemie-müde Seele willkommen heißen.

Achill, der Beste der Griechen

Götter, Helden-Halbgötter, Könige, Krieger, schöne Frauen und große Gefühle – Komponisten und Librettisten der Oper seit ihren Anfängen griffen nahezu ausschließlich zu den mythologischen Gestalten der Antike. Als Fundgrube diente dafür neben den Metamorphosen des Ovid vor allem Homers Ilias, die heute in wortgetreuen Übersetzungen, kindgerechten Erzählungen und wortgewaltigen Nachdichtungen vorliegt.* Neu auf Deutsch gibt es nun den biografischen Roman Das Lied des Achill von Madeline Miller zu lesen. Nähern wir uns dem Edelsten aller Griechen durch die Augen der britischen Autorin. Was hat es mit seinem Lied auf sich?

Das Phantom der Oper – Die Opéra Garnier als Schauplatz des Schauerromans

Jeder kennt es, aber die wenigstens haben den Roman gelesen. Andrew Lloyd Webber hat ihm 1986 ein musikalisches Denkmal gesetzt und seit dem Musical Film von 2004 kennt die ganze Welt die Geschichte. Das Phantom geistert durch die prächtige Opéra Garnier in Paris, hat die Fantasie vieler Menschen beflügelt und deren Herzen berührt. Erfunden hat dieses Wesen der Schein- und Unterwelt Gaston Leroux, der 1910 mit seinen Roman Das Phantom der Oper den Boden für den sensationellen Erfolg des musikalischen Stücks bereitete.

Der Klavierstimmer Ihrer Majestät – eine fantastische Reise ins Burma der britischen Kolonialzeit

Edgar Drakes diszipliniertes Leben definiert sich so: Er erschafft eine Ordnung, mit der andere Schönheit gestalten. Er stimmt Klaviere. Mit seiner Frau Katherine führt er eine beschauliche, harmonische, kinderlose Ehe. Zufrieden mit sich und der Welt hat er Zutritt zu den Bürger- und Adelshäusern in London – er hält zu allem Distanz und zieht sich am Abend in seine Werkstatt zurück, die seine Frau den Elefantenfriedhof nennt – wegen des Elfenbeins. Wir schreiben das Jahr 1886 und das Kriegsministerium Ihrer Majestät Queen Victoria schickt The Piano Tuner auf eine abenteuerliche Reise ins nördliche Burma mit dem einzigen Ziel, dort einen Konzertflügel zu stimmen.