Leonore 40/45 – Die Matinee

Liegt es am Termin – Bundestagswahl 2021 – oder an dem einigermaßen exotischen Stück, dass heute nur rund 60 Interessierte den Weg ins Foyer der Oper Bonn finden? Im Mittelpunkt steht Leonore 40/45 von Rolf Liebermann, in Basel 1952 erfolgreich in Basel uraufgeführt, um dann in Berlin und Mailand komplett durchzufallen. Michael Struck-Schloen, Musikredakteur im WDR3, moderierte exzellent vorbereitet die Matinee. Sein Gespräch mit dem Regisseur Jürgen R. Weber und dem Dirigenten Daniel Johannes Mayr, musikalische Kostproben von Santiago Sanchez, Pavel Kudinov und Igor Horvath am Klavier und zahlreiche Einspielungen beantworten die Gretchenfrage: Ist die Oper schön oder modern?

Marco Arturo Marelli – der Schweizer Regisseur im Gespräch

Der Ring sticht sofort ins Auge. Am rechten Ringfinger trägt Marco Arturo Marelli den Ehrenring der Wiener Staatsoper, der ihm 2010 verliehen wurde. Der massive Goldring hat seinen Namen eingraviert an der Außenseite und weist ihn als Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper aus. Marelli nimmt den Ring ab und erläutert die kunsthandwerkliche Gestaltung: „Innen sind rund die Logen der Staatsoper abgebildet, und der rotleuchtende Karneol stellt den Vorhang dar. Von außen ziert den Stein die Fassade der Wiener Staatsoper, wie eine Gemme gearbeitet.“ 2004 wurde dem Regisseur nach 12 Inszenierungen dort, gleich nach der Uraufführung der Medea von Aribert Reimann, die Auszeichnung verliehen. Den Ring trägt Marelli immer bei der Arbeit.

ARABELLA – Die Matinee

Nur eine Neuauflage? Arabella als zweite Ausgabe des Rosenkavalier, nur eben ein bisschen anders? Das Duo Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss wollten durchaus an den – auch wirtschaftlichen – Erfolg des Rosenkavalier anknüpfen und Strauss hatte sich von seinem Textdichter ausdrücklich ein leichtes, heiteres Stück gewünscht. Welche Themen greifen sie auf, welche entwickeln sie weiter? In der Matinee zu Arabella moderierte Bernhard Hartmann das Expertengespräch mit dem Regisseur Marco Arturo Marelli und dem Generalmusikdirektor der Oper Bonn, Dirk Kaftan.

Die Tote Stadt – Live in Köln

Da sitzen sie also im Halbdunkel der Bar einer beliebigen Metropole wie Hoppers Nighthawks. Vereinzelt, den Blick gesenkt, urbane Erfolgsmenschen, die irgendwie leblos den letzten Drink nehmen oder die letzte Zigarette rauchen. Gleichzeitig gruppieren sie sich um ein Kaiserpanorama, hinter dessen runden Wänden die Zuschauer in den Zeiten vor dem Kino einen Blick in ferne Welten werfen konnten. So vereint die Bühne der Oper Die tote Stadt die beiden psychologischen Grundmuster des auf-sich-geworfen-Seins und des schmerzhaften Blicks auf das eigene Innenleben und dessen Abgründen. Nachdem die eigentliche Premiere am 4. Dezember 2020 exakt zum 100-jährigen Jahrestag der Uraufführung, die zeitgleich in Köln und Hamburg stattfand, nur per Video-Stream zu sehen war, nun also ein Opernabend mit einer Kraft, die das Staatenhaus zum Beben brachte.

CHICAGO – Roxie Rocks It

Der Funke springt sofort über. „And all that jazz“, die Eingangsnummer des Musicals Chicago, reißt das Publikum schon fast von den Stühlen. Parkett und Ränge bis auf den letzten Platz besetzt – das hätte man sich vor einer Woche nicht mal träumen lassen. Die erste Premiere der neuen Spielzeit ein echter Knaller, dieses Vaudeville-Stück, in dem Killer Girls Karriere machen und der zweifelhafte Leitspruch der Justiz „In dubio pro Roxie“ lautet. 1975 wurde das Musical in New York uraufgeführt. Der Handlung liegt das Buch einer Reporterin zugrunde, das 1926 erschien. In diese Zeit der Prohibition und Korruption, als Chicago sich den Ruf als Gangster City erwarb, verlegen der Komponist John Kander und der Texter Fred Ebb ihr Stück.

Wenn schon, dann richtig! Die neue Spielzeit im Theater Bonn

„Wir können ausverkaufen.“ Das Wort hat der Generalintendant des Theater Bonn, Bernhard Helmich. Sichtlich erfreut über die gute Nachricht, dass die Limitierung der zu besetzenden Plätze in den Bonner Theatern gefallen war. Und das drei Tage vor Beginn der neuen Spielzeit 2021/22! So kommt es, dass es für das Weltklasse-Musical Chicago noch Karten für die Premiere am 29. August gibt – und für die nächsten Termine ebenfalls.

27 Jahre lang hat Helmich sich aus verschiedenen Städten um die Aufführungsrechte für Chicago bemüht. Nun hat Bonn tatsächlich den Zuschlag erhalten und Fans müssen nicht länger nach New York oder London reisen oder aber sich mit dem Film begnügen. Bonn is the place to be!

Benefizkonzert für die Flutopfer – Solidarität verbürgt

Keinem der Menschen, die so viel Leid und Verlust erfahren haben, nutzt es, wenn wir uns heute Abend den Genuss versagen. So begrüßte der Bürgermeister von Bad Honnef, Otto Neuhoff, die Konzertgäste im dicht besetzten Kursaal. Für ein musikalisches Menü vom Feinsten hatte Torsten Schreiber gesorgt, dem international renommierte Künstler gern für das Konzert zusagten und auf ihre Gage verzichteten.

Agrippina – mit den Waffen einer Frau

Jubelrufe hallen durch die Lagunenstadt. Die Venezianer huldigen einem Ausländer. Noch nie galt solch ein Applaus einem fremden Komponisten, nie zuvor begeisterte ein Deutscher das verwöhnte Patrizierpublikum der Freien Republik Venedig in einem solchen Maße. „Viva il caro Sassone!“ – Hoch lebe der liebe Sachse! Offensichtlich hatte Georg Friedrich Händel, der gerade von England aus bis nach Neapel gereist war und die Tradition der italienischen Oper dort studierte, einen Nerv getroffen. 1709 feierte Agrippina Premiere und das Entzücken lag gleichermaßen in der Musik wie im Libretto begründet. Was genau riss die Venezianer von den Stühlen? Worin lag die Sensation?

Mazeltov, Rachel’e

Banal der Ort des Geschehens: zwei Zimmer, Küche, Treppe, Bad in Köln-Mülheim. Eine alte Dame bereitet das Pessach-Fest vor. Grandios: Isoldes Liebestod am Ende der Revue. Eine Mezzo-Arie, die alles Gefühl dieser Welt umfasst, komponiert von einem dezidierten Antisemiten. An der Küchenwand ein Plakat mit dem Konterfei einer schönen Sängerin. Lea Singer chante Richard Wagner. Das Spannungsfeld des Jubiläums von „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ gestaltet Christian von Götz mit einer 90-minütigen musikalischen Farce in der Oper Köln. Ein atemloser Ritt durch weitgehend unbekannte Nummern jüdischer Komponisten, der die Gefühlsklaviatur von herzhaftem Lachen bis zu mitfühlenden Tränen bespielt.

Faust – Das Leben ein Nichts?

Ein Kameraobjektiv in den dunklen Saal gerichtet, Scheinwerfer gleiten suchend über die Köpfe des Publikums. Was wie ein Fehler des Beleuchters wirkt, soll sich als zentrale Frage des Abends entpuppen. Was, wenn jeder und jede Einzelne am Ende des Lebens Bilanz zieht und alt, matt und allein das Resultat in vier Buchstaben fasst: Rien! Dieses Nichts als das globale Lebensgefühl während der 15-monatigen Pandemie? Auf sich selbst geworfen die Einsamkeit aushalten und sich mit existenziellen Fragen auseinandersetzen?