Marie Heeschen – Sopranistin zwischen Dada-Bäumchen und Barock-Canzonetta

Ausgezeichnet – diese Prädikat trifft auf jede Performance der Sängerin Marie Heeschen immer und in jedem Genre zu. Ausgezeichnet wurde sie nun mit dem Preis der Opernfreunde Bonn 2023. Für die Ehre bedankte sie sich mit einem außergewöhnlichen Konzert, einem exquisiten Liederabend. Am Flügel begleitet von Sandra Urba, mit der sie offensichtlich eine im wahrsten Sinne des Wortes harmonische Freundschaft verbindet.

Weihnachten 2022

Weltfrieden – das wär’s! Mein größter Wunsch! Und wie könnten wir diesen Wunschgedanken besser um die Welt schicken als mit der sehr stillen Hymne für den Frieden vom Philosophen unter den Pop-Ikonen. John Lennon schrieb dieses „Libretto“ für ein großes Szenario bereits 1971 – auch heute anrührend und aktuell wie in den letzten 50 Jahren und sicher auch in den nächsten. Hier also die Lyrics des nicht einmal drei Minuten langen Songs von Lennons Weltfriedensbotschaft IMAGINE.*

LA CENERENTOLA – Liebe auf den ersten Blick

Respekt, Liebe und Güte – die Trias der klassischen romcom, der romantic comedy. Pretty Woman lässt grüßen. Da zieht ein hübscher Prinz übers Land, um im Nullkommanix eine passende Frau zu finden. Dann schlägt die Liebe ein wie ein Blitz. Und im Märchen wie in der romantischen Komödie lösen sich alle Widrigkeiten und Verwicklungen auf – sie kriegen sich. Wenn dazu die berauschend spritzige Musik von Gioacchino Rossini in seinem Dramma giocoso La Cenerentola erklingt, darf man sich im Staatenhaus auf einen fulminanten Abend in der Oper Köln freuen.

Leonardo Caimi – Aus Kalabrien in die internationale Opernwelt

Eine verstohlene Träne entschied über seine Karriere als Sänger. In einem Wettbewerb in Treviso präsentierte Leonardo Caimi die Parade-Arie für junge Tenöre „Una furtiva lagrima“ aus der Oper L’elisir d’amore von Gaetano Donizetti. Wie ein Nemorino findet der junge Student schicksalhaft sein Glück. Denn die Jury war spontan von seiner wunderbaren Stimme überzeugt und man bat ihn, die Arie „Si ritrovarla io giuro“ des Don Ramiro aus Rossinis La Cenerentola unvorbereitet vom Blatt zu singen. Er kam, sang und siegte – nicht von ungefähr ähnlich dem legendären Spruch von Julius Caesar, dessen Geburtstag er teilt.

Un ballo in maschera – Alle spielen Theater

Die ganze Welt ist eine Bühne – das hat William Shakespeare vor gut 400 Jahren in seiner Komödie As You like It dem modernen Menschen ins Stammbuch geschrieben. Wir alle spielen mit, haben Auftritte und Abgänge. Nun brennt Regisseur Sir David Pountney an der Oper Bonn mit Un ballo in maschera ein Theaterfeuerwerk ab. Wie in einer russischen Matrjoschka gibt es Theater im Theater im Theater … bis hin zur Kinderzimmerkiste des Kasperle-Theaters. Nimmt der renommierte Brite sein eigenes Metier nicht ernst? Oder lässt er seiner Freude an Verkleidungen, Masken, Umhängen, coups de théâtre, kurz seinem Spieltrieb freien Lauf? Let’s see.

Speculum Maius – Die Welt im Spiegel

Sphärenklänge der Streicher umwabern entferntes Sprechen. Eine tiefe Frauenstimme murmelt Worte oder Sätze, dazu flüstert eine Männerstimme Unverständliches. Pizzicati der Geigen akzentuieren die Textfragemente. Sirenenklänge der beiden Violinen und Celli begleiten dialogisch-reflektierend die Arbeit der Mönchsgestalt. Dunkle Worte steigen aus dem Arbeitszimmer auf, in dem quasi-naturwissenschaftliche Experimente bei ständigem Strömen von Wasserdampf auf dem Aktionsplan stehen. Ein Alchimistenlabor und darin ein Gelehrter, der an einem enzyklopädischen Kompendium zur Erklärung der Natur arbeitet. Die Bücher allerdings stehen alle mit den Rücken zur Wand, die aufgefächerten Blätter blicken in den Raum. Ein iPhone, im Ringlicht gefangen, spiegelt den work in progress. Hier entsteht das Wissen der Welt – eines Intellektuellen, Instagrammers, Influencers?

DER ZWERG – Kindergeburtstag in Köln

Partyyyy! Vor dem Auftakt Animateurinnen, die das Publikum einstimmen auf eine quietschbunte Show. Zuckerwatte statt Glühbirnen, Riesenlollis in Pastell, die Hofdamen in farblich darauf abgestimmten Outfits, allerdings in billigem Theatertaft. Schrill pinke Cupcakes servieren den Schampus auf dem Laufsteg, der hier in Köln die Welt bedeutet und mitten durchs erlauchte Publikum an den Bistrotischen führt. Eine Welt aus Botox, Hyaluron und dem Selfie-Wahn, instagrammable zu sein und zu bleiben.

TURANDOT – eine Eisprinzessin aus sagenhafter Vorzeit

Ganz großes Kino! Die Oper Köln präsentiert mit Turandot ein monumentales Spektakel. Die Kino-Metapher mag sich mittlerweile ein wenig abgenutzt haben, aber die Regisseurin Lydia Steier spielt selbst mit dem Begriff: KINO als riesige rote Zirkus-Leuchtschrift prangt zunächst über dem saalfüllenden Bühnenbild. 2017 feierte Giacomo Puccinis letzte und leider auch unvollendete Oper hier ihre Premiere. In der Zwischenzeit hat die Aktualität von Macht und Greueltaten, Unterdrückung und Gewalt eher zugenommen. Und das nicht nur in China!

ASRAEL – Dolby-Surround im Opernhaus

Kosmische Klänge und infernalische Teufelstänze – eine bombastische Musik zieht das Publikum in einen Bann, der sich erst im gigantischen Schlussapplaus löst. Was wie rheinische Übertreibung klingt, beschreibt das Stimmungsbild dieser Premiere in der Oper Bonn. Dort erlebt das Publikum die fast vergessene Oper Asrael des italienischen Komponisten Alberto Franchetti, der mit der Uraufführung in Reggio Emilia 1888 einen Sensationserfolg erzielte. Das Stück wurde auf vielen Bühnen in Europa und Amerika gespielt, bis es 1926 fast für immer in den Archiven versank. Franchetti war Jude und sein gesamtes Werk fiel in Deutschland ab 1933, in Italien dann fünf Jahre später den Rassengesetzen zum Opfer. Jetzt erfolgt die Renaissance am Theater Bonn, das sich mit der Reihe Fokus ’33 zum Anwalt zahlreicher verschütteter Opernpreziosen gemacht hat.