Il Barbiere di Siviglia

Zunächst Avantgarde, dann Legende, heute Kult – was haben Otto Schenks Rosenkavalier, Ruth Berghaus‘ Il barbiere di Siviglia und die Rolling Stones gemeinsam? Die Strauss-Inszenierung aus Wien, Rossinis Top-Seller aus der Staatsoper Unter den Linden und die weltweiten Touren von Mick Jagger und seiner Band sind Bühnengiganten, die auch nach Jahren und Jahrzehnten mit Spitzenqualität aufwarten. Die Oper Köln gönnt sich und dem Publikum nun als glänzenden Abschluss für eine gleichermaßen faszinierende wie aufregende Spielzeit Gioacchino Rossinis Opera buffa Il barbiere di Siviglia ossia L’inutile precauzione, die seit ihrer Premiere 1816 zu den echten Repertoire-Rennern zählt.

Thilo Beu – Fotograf aus Leidenschaft

Urkundlich erwähnt wurde die Familie Beu bereits im 30-jährigen Krieg. Sie lebte in Königswinter und verlagerte so langsam ihren Lebensmittelpunkt genau 10 Kilometer rheinabwärts ins heutige Beuel. Dem Dorf auf der rechten Rheinseite verlieh die Familie seinen Namen – und noch heute tummeln sich dort viele Nachfahren mit dem Namen Beu. Mit einem Augenzwinkern beantwortet Thilo Beu meine erste Frage nach seiner Herkunft und schon ist klar: Das wird ein anregender Nachmittag. Denn ich höre gern gute Geschichten und bin davon überzeugt, dass sich die folgenden als deutlich wahrer entpuppen als diese kleine genealogische Flunkerei.

Li-Tai-Pe oder die Liebe zur Poesie

Trunkenbold, Bösewicht, Tunichtgut und Weiberheld – so urteilen die dienstbeflissenen hohen Beamten am Hof des Kaisers von China über Li-Tai-Pe. Das gemeine Volk allerdings, aus dem der liebenswerte Suffkopp stammt, erhebt den Poeten im Lobgesang zum Idol : „Der Welten Kaiser ist der Dichter.“ In dieses Gefälle platziert Clemens von Franckenstein seine kleine, feine Oper Li-Tai-Pe, uraufgeführt 1920 in Hamburg. Eine Preziose in der großen Schatzkiste all‘ jener Werke, die nach 1933 nicht mehr gespielt wurden und dann nach dem Krieg in Vergessenheit gerieten. Die Oper Bonn hat mehrfach richtige Coups gelandet, indem sie solche Schätze hob wie Penthesilea, Oberst Chabert oder Leonore 40/45.

Alles geplant, als wäre gar nichts – die Spielzeit 2022/23 am Theater Bonn.

In die Vollen gegriffen hat das Theater Bonn mit Oper und Schauspiel für die nächste Spielzeit. Acht Premieren und drei Wiederaufnahmen stehen auf dem Programm des Musiktheaters, ganze 14 Stücke will das Schauspiel präsentieren. Wenn, ja wenn … „Dieser Plan kann nur coronafrei realisiert werden“, so der Generalintendant Dr. Bernhard Helmich. Aber Optimismus zeichnet die Theatermacher aus: Die trotz Pandemie erfreuliche Entwicklung der Besucherzahlen gibt ihnen allen Grund dazu. Die Bonner Bürgerinnen und Bürger lieben ihre Kultureinrichtungen und zeigen in der Krise ihre Loyalität.

Christoph Wagner-Trenkwitz – ein Wiener Theater-Vollblut

Der Frosch in Johann Strauss‘ Fledermaus – die Keimzelle für alle 3. Akt-Komiker der Wiener Operette und eine Traumrolle für Christoph Wagner-Trenkwitz, der nunmehr in der zweiten Spielzeit das Bonner Publikum mit dem slivovitzgetränkten Granteln dieses Gefängnisdieners erfreut. Seinen gut 10-minütigen Monolog, gespickt mit tagesaktuellen satirischen Anekdoten, schreibt CWT, wie er gern seine Nachrichten unterzeichnet, stets selbst. Und präsentiert diese komische Gestalt so hinreißend, dass er für die übernächste Saison an zwei Bühnen seines Heimatlands Österreichs Angebote hat, den Frosch zu verkörpern. 

Béatrice et Bénédict – Bachelorette and Bachelor im Schlagabtausch

Freiheit und freche Fröhlichkeit gegen Bügelbrett und Babywäsche eintauschen? Das kommt für die blitzgescheite Béatrice nicht infrage! Bis … bis sie und ihr Pendant, der fesche, aber unbeirrbar ehefeindliche Offizier Bénédict, einer possierlichen Intrige zum Opfer fallen, die sie in die Ehe zwingt. Dann unterwirft sich die eine seufzend ihrem Frauenschicksal mit Kinderwagen und Küchenmixer und der andere setzt schon mal vorsorglich die Hörner des betrogenen Ehemanns auf. Shakespeare light! Hector Berlioz extrahierte aus Shakespeares heiterster Komödie Much Ado About Nothing 260 Jahre nach deren Entstehung ein Sujet, das über die Jahrhunderte hinweg bis heute an Aktualität nichts eingebüßt hat: Geschlechterkampf und Gleichberechtigung.

UPLOAD – für das ewige Leben?

Die Sehnsucht nach dem ewigen Leben erfüllt in der westlichen Welt das Heilsversprechen der christlichen Lehre. Der einzige Nachteil dabei: Zuerst muss der Mensch sterben. Und mit ihm alles, was seine biologische Materie ausmacht. Nicht aber sein Geist, wenn er denn mit modernster Technologie aufgezeichnet und auf weltweit verstreuten Servern digitalisiert und in blockchains gespeichert wird. Avatar, Matrix und das gute alte Frankenstein-Monster schwingen mit, wenn es darum geht, den Geist oder die Identität einer autonomen Person zu transferieren. Zu diesem hochkomplexen, multiperspektivischen Thema hat Michael van der Aa hat ein faszinierendes Bühnenstück geschaffen, das jetzt endlich seine deutsche Erstaufführung in der Oper Köln erfuhr.

Ernani – Alles eine Frage der Ehre

Um der Ehre willen das eigene Leben verpfänden – das ereignet sich nur im Umfeld einer grotesken Moral, vielleicht im engen Netzwerk der Mafia. Oder eben in der Oper! Giuseppe Verdis erster Welthit Ernani, 1844 in Venedig uraufgeführt, nutzt das Drama Hernani oder die kastilische Ehre von Victor Hugo als Vorlage. Von Mantel-und-Degen Stück über Eifersuchtsdrama, kaiserliche Himmelfahrt und tragischem Finale bietet Ernani ein Wechselbad der Gefühle. Und das Publikum hat seine Freude daran, genießt in der Oper Bonn eine temperamentvolle Premiere dieses ungestümen frühen Verdi.

Der Meister und Margarita – In Köln ist der Teufel los

Ein satanischer Schabernack, eine politische Groteske, eine surreale Fantasie – der dicht gewebte und kunstvoll verzahnte Roman Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow bietet die literarische Vorlage für die gleichnamige Oper von York Höller. Der Kölner Komponist arbeitete fünf Jahre lang an dem Werk, bevor es 1989 an der Opéra Paris im Palais Garnier in einer Inszenierung von Hans Neuenfels uraufgeführt wurde. Eine musikalische und dramaturgische Herausforderung, der sich die Oper Köln nun nach fast 30 Jahren zum zweiten Mal stellt.