Ein Toter kehrt zurück – Oberst Chabert

Die Schätzungen liegen weit auseinander. Zwischen 65.000 und 200.000 Opernwerke mögen komponiert worden sein, wenn die Zeitrechnung mit Monteverdis L’Orfeo so um 1600 herum beginnt. Daraus kristallisierte sich ein Repertoire, eine Hitliste, von 25 Opern heraus, die landauf, landab, länder- und kontinenteübergreifend ihren Weg auf die Bühnen der Welt finden. Warum dann Oberst Chabert von Hermann Wolfgang von Waltershausen jetzt am Theater Bonn?

Übertitel in der Oper – das magische Textband

15 Meter über dem Parkett prangt oberhalb vom 2. Rang im Theater Bonn die Beleuchterbrücke. Eng ist es dort, sommers wie winters 33 Grad heiß. Gitterstäbe verhindern, dass Menschen, die hier oben arbeiten, sich mit einem falschen Tritt in die Tiefe katapultieren. Herauf kommt man nur über die stählerne Hühnerleiter. Die erklimmen allabendlich die Übertitler, ohne die es noch nie eine Vorstellung gab. 

Anna Princeva – von der Konzertpianistin zur Operndiva

Die Wimperntusche rinnt in kleinen Bächen über die Wangen. Tränenüberströmt sitzt eine junge Frau im Parkett. In ihrem Inneren so tief berührt, dass die Kommilitonen sie wie aus einer Trance zurückholen müssen. Was war passiert? Anna Princeva, Musikstudentin mit Schwerpunkt Klavier, hospitiert in der Oper und hört, sieht, erlebt Tosca. Und es ist um sie geschehen. 

Auf einen Kaffee mit Giorgos Kanaris

Auf einen Kavalierbariton hatte ich mich gefreut, dessen Mozartinterpretationen des Don Giovanni und des Grafen Almaviva lange nachhallen. Und wen treffe ich? Einen Bariton, der sich zunächst einmal als echter Kavalier entpuppt. Mit dem griechischen Charme eines Opernsängers, der einen Hauch von Romantik und Melancholie von seiner Herkunft mitbringt. Giorgos Kanaris kommt aus Athen, ist in Piräus geboren und aufgewachsen. Ach ja, der 1960er Schlager „Ein Schiff wird kommen …“. Da wartet ein Mädchen aus Piräus auf den einen und es geht wie in der Oper um Sehnsucht und Liebe.*

I due Foscari – ein Politkrimi in großzügig bemessener Tatortlänge

Gut 100 Minuten Spielzeit erwartet das Bonner Opernpublikum bei der  hier erstmals aufzuführenden frühen Verdi-Oper I due Foscari. Will Humburg, seit  10 Jahren musikalischer Leiter von umjubelten Operninszenierungen am Theater Bonn, weiß mit dem Regisseur Philipp Kochheim einen Experten an seiner Seite , der mit Tosca bereits für Furore sorgte. Frech, witzig, überraschend und unkonventionell inszeniert er.

Gli Uccellatori oder Wie man Vögel mit der Angel fängt

Schräge Bühne, schräge Story, schräge Vögel … Die Vogelfänger  (Gli Uccellatori) in Köln sind ein Augenschmaus und eine Ohrenweide. Oder umgekehrt?  Egal – bevor ihr weiterlest, bucht sofort eure Karten für Samstag, den 7. April, wenn diese Opera buffa von Florian Leopold Gassmann zum letzten Mal aufgeführt wird.  Ein Muss!

Stabat mater von Antonin Dvorak am Karfreitag 2018

Mehr als eine ganze Minute lang braucht es – perfekte Stille –  erst dann löst sich langsam die Spannung.  Die ersten Hände schlagen zum Applaus ineinander; zögerlich zunächst, dann begeistert stimmt das gesamte Publikum mit ein. Für dieses einzigartige Werk benötigen alle, Akteure wie Zuhörer, zunächst einen Moment des Ankommens. 

Laura Scozzi zündet die Brisanz in Philip Glass‘ ECHNATON

Wer kennt sie nicht, die Anekdote vom quirligen Mozart und dem eher betulichen Kaiser in der Wiener Hofburg? Der Habsburger Joseph II soll Die Entführung aus dem Serail mit „Zu schön für unsere Ohren und gewaltig viel Noten, lieber Mozart“ kommentiert haben. Worauf der junge Kompositeur replizierte „Gerade so viel Noten, Eure Majestät, als nötig sind.“ * Da kann man wohlfeil die Frage stellen „Are you sure you composed sufficient chords, dear Phil Glass?“

Liebe, Geduld und Bühnenstaub – 25 Jahre Kinder- und Jugendchor Theater Bonn

Es war ein Fest! Fröhlich, farbig, frech und auch ein bisschen feierlich. Wir haben geschmunzelt, gelacht, gestaunt und mir – die ich ein bisschen rührselig bin – kamen bei zwei Nummern die Tränen. Einfach bravourös, was 140 Jungen und Mädchen zwischen 6 und 26 mit dem Beethoven Orchester Bonn auf die Bühne brachten.