Freiheit und freche Fröhlichkeit gegen Bügelbrett und Babywäsche eintauschen? Das kommt für die blitzgescheite Béatrice nicht infrage! Bis … bis sie und ihr Pendant, der fesche, aber unbeirrbar ehefeindliche Offizier Bénédict, einer possierlichen Intrige zum Opfer fallen, die sie in die Ehe zwingt. Dann unterwirft sich die eine seufzend ihrem Frauenschicksal mit Kinderwagen und Küchenmixer und der andere setzt schon mal vorsorglich die Hörner des betrogenen Ehemanns auf. Shakespeare light! Hector Berlioz extrahierte aus Shakespeares heiterster Komödie Much Ado About Nothing 260 Jahre nach deren Entstehung ein Sujet, das über die Jahrhunderte hinweg bis heute an Aktualität nichts eingebüßt hat: Geschlechterkampf und Gleichberechtigung.
UPLOAD – für das ewige Leben?
Die Sehnsucht nach dem ewigen Leben erfüllt in der westlichen Welt das Heilsversprechen der christlichen Lehre. Der einzige Nachteil dabei: Zuerst muss der Mensch sterben. Und mit ihm alles, was seine biologische Materie ausmacht. Nicht aber sein Geist, wenn er denn mit modernster Technologie aufgezeichnet und auf weltweit verstreuten Servern digitalisiert und in blockchains gespeichert wird. Avatar, Matrix und das gute alte Frankenstein-Monster schwingen mit, wenn es darum geht, den Geist oder die Identität einer autonomen Person zu transferieren. Zu diesem hochkomplexen, multiperspektivischen Thema hat Michael van der Aa hat ein faszinierendes Bühnenstück geschaffen, das jetzt endlich seine deutsche Erstaufführung in der Oper Köln erfuhr.
Ernani – Alles eine Frage der Ehre
Um der Ehre willen das eigene Leben verpfänden – das ereignet sich nur im Umfeld einer grotesken Moral, vielleicht im engen Netzwerk der Mafia. Oder eben in der Oper! Giuseppe Verdis erster Welthit Ernani, 1844 in Venedig uraufgeführt, nutzt das Drama Hernani oder die kastilische Ehre von Victor Hugo als Vorlage. Von Mantel-und-Degen Stück über Eifersuchtsdrama, kaiserliche Himmelfahrt und tragischem Finale bietet Ernani ein Wechselbad der Gefühle. Und das Publikum hat seine Freude daran, genießt in der Oper Bonn eine temperamentvolle Premiere dieses ungestümen frühen Verdi.
Der Meister und Margarita – In Köln ist der Teufel los
Ein satanischer Schabernack, eine politische Groteske, eine surreale Fantasie – der dicht gewebte und kunstvoll verzahnte Roman Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow bietet die literarische Vorlage für die gleichnamige Oper von York Höller. Der Kölner Komponist arbeitete fünf Jahre lang an dem Werk, bevor es 1989 an der Opéra Paris im Palais Garnier in einer Inszenierung von Hans Neuenfels uraufgeführt wurde. Eine musikalische und dramaturgische Herausforderung, der sich die Oper Köln nun nach fast 30 Jahren zum zweiten Mal stellt.
ERNANI – die Matinee
Wenn Verdi ruft, und sei es auch nur zur Matinee, ist die Bude voll. Bis auf den letzten Platz war das Foyer der Oper Bonn besetzt – und das mögen so 150 Gäste gewesen sein. Kein Wunder, hat sich doch die Beethovenstadt Bonn unter der Ägide von Bernhard Helmich zur „Verdistadt“ entwickelt.
Oper – Die 101 wichtigsten Fragen
Endlose Regale mit Büchern zum Thema Oper füllen die Fachbibliotheken. Die Musikwissenschaft beschäftigt sich mit allen Aspekten dieser 400 Jahre alten Kunstform, analysiert Form, Inhalt, Historie und Sozialgeschichte des großen Bühnenspektakels. Und das alles im Schnelldurchgang in einem schmalen Taschenbuch zusammengefasst? Ein Kompendium für die Handtasche? Opera to go?
Georg Friedrich Händel – Feuerwerk und Halleluja
Wo Könige gekrönt und royale Hochzeiten gefeiert werden, dort liegt Georg Friedrich Händel in der Westminster Abbey in London begraben. Den Schöpfer von unsterblich schöner Musik für die Ewigkeit ehrt auch in diesem Jahr wieder unmittelbar nach seinem 337. Geburtstag das Staatstheater Karlsruhe mit den Internationalen Händel-Festspielen. Ein Jubiläum besonderer Art begehen allerdings die Händel-Festspiele in seiner Geburtsstadt Halle. Zum 100 Mal jährt sich dieses Event exquisiter Barockmusik mit dem genius loci. Händel und der einhundertjährigen Tradition zu Ehren hat die Stiftung Händel-Haus eine Festschrift herausgegeben mit dem Titel Feuerwerk und Halleluja.
Ein Feldlager in Schlesien – Die Matinee
Preußens Glanz und Gloria und die Ikone Friedrich der Große im Mittelpunkt einer Oper mit dem befremdlichen Titel Ein Feldlager in Schlesien. Warum nimmt die Oper Bonn dieses Stück, das seit 130 Jahren auf eine erneute szenische Aufführung hier am Rhein wartet, ins Programm? Von ihrer Uraufführung 1844 in Berlin war sie als Nationaloper für ein halbes Jahrhundert die künstlerische Richtschnur für das Selbstverständnis des mächtigen Preußen. Wie erwächst daraus eine aktuelle, zeitgemäße Opernproduktion?
The Broken Circle – Singen als Antwort auf das Leben
Auf einem Autofriedhof, ganz hinten, wo die abgefahrenen Reifen liegen, führen Elise und Didier ihr alternatives Leben. Aus dem Bauernhof des ursprünglichen Dramas von Johan Heldenbergh und Mieke Dobbels ist eine trostlose graue Halde geworden, die mit den kahlen Bäumen eine Warten-auf-Godot Assoziation weckt. Simon Solberg hat für die Werkstatt des Theater Bonn The Broken Circle als ein emotional dichtes, schauspielerisch und sängerisch sensationelles Stück inszeniert.
Die Fledermaus – frisch und frech wie anno 2020
Die Königin der Operette berauscht sich am Champagner, dem König der Weine. Na, das kann ja heiter werden in Baden bei Wien, wo die Möchtegern-Schickeria eine harmlose Intrige, ein Souper mit Balltanz und völlig verkatert den nächsten Morgen erlebt. Vor nahezu auf den Tag genau zwei Jahren feierte Johann Strauss‘ Operette Die Fledermaus Premiere in der üppig-opulenten Inszenierung von Aron Stiehl und mit Daniel Johannes Mayr am Pult. Damals bejubelte das voll besetzte Opernhaus den glänzenden Auftakt dieses springlebendigen Stücks und dann war lange Zeit Pause. Aus den bekannten Gründen. Jetzt flattert sie wieder, die Fledermaus …