The Broken Circle – Singen als Antwort auf das Leben

Auf einem Autofriedhof, ganz hinten, wo die abgefahrenen Reifen liegen, führen Elise und Didier ihr alternatives Leben. Aus dem Bauernhof des ursprünglichen Dramas von Johan Heldenbergh und Mieke Dobbels ist eine trostlose graue Halde geworden, die mit den kahlen Bäumen eine Warten-auf-Godot Assoziation weckt. Simon Solberg hat für die Werkstatt des Theater Bonn The Broken Circle als ein emotional dichtes, schauspielerisch und sängerisch sensationelles Stück inszeniert.

Die Fledermaus – frisch und frech wie anno 2020

Die Königin der Operette berauscht sich am Champagner, dem König der Weine. Na, das kann ja heiter werden in Baden bei Wien, wo die Möchtegern-Schickeria eine harmlose Intrige, ein Souper mit Balltanz und völlig verkatert den nächsten Morgen erlebt. Vor nahezu auf den Tag genau zwei Jahren feierte Johann Strauss‘ Operette Die Fledermaus Premiere in der üppig-opulenten Inszenierung von Aron Stiehl und mit Daniel Johannes Mayr am Pult. Damals bejubelte das voll besetzte Opernhaus den glänzenden Auftakt dieses springlebendigen Stücks und dann war lange Zeit Pause. Aus den bekannten Gründen. Jetzt flattert sie wieder, die Fledermaus …

Iwein Löwenritter

Ein Gastbeitrag von Linda, Emilia und Hanna Tillmann

Wir wohnen in Berlin. Dort gibt es Winterferien. Also konnten wir zu meiner Oma nach Bonn fahren. Sie liebt die Oper und hat uns alle in Iwein Löwenritter eingeladen. Meine Schwester, meine Eltern und mich. In Berlin haben wir in der Komischen Oper schon mal die Instrumente kennengelernt, aber noch nie eine ganze Oper gesehen.

Also es war für uns das erste Mal in einer echten Oper. Oma hat uns erklärt, dass Iwein Löwenritter an diesem Tag zum ersten Mal aufgeführt wird. Das nennt man Premiere, sagt Oma. Aber wirklich zum allerersten Mal überhaupt. Auf der ganzen Welt wurde diese Oper noch nie so vor Zuschauern gespielt, auch nicht in Berlin. Deshalb heißt es Welturaufführung.

Santiago Sánchez – Tenor y más

Lenski, Tamino und Alfredo Germont – diese Rollen hatte er für das auditioning, das Vorsingen in Bonn, einstudiert. Eugen Onegin, Die Zauberflöte und La traviata sollten auf dem Spielplan der Oper Bonn stehen. Sollten … und dann kam alles ganz anders, wie wir wissen. Die ersten drei Rollen, in denen das Publikum der Oper Bonn den lyrischen Tenor Santiago Sánchez hörte, spielten auf einer ganz anderen Klaviatur. Wie gestaltete sich für den jungen Sänger der Einstieg ins feste Ensemble mit so zahlreichen, der Pandemie geschuldeten Planänderungen?

Blogger’s Delight – Was der Bloggerin Herz erfreut

Wie das einsame Rufen in den Wald – so fühlt es sich manchmal an, einen Blog zu schreiben. Nach Vorbereitung, Künstler- und Werkstattgesprächen steigt die Spannung bis zur Premiere der Oper. Dann spielt sich auf der Bühne, im Graben, mit Licht und Bühnentechnik drei Stunden lebendiges Musiktheater ab. Applaus, manchmal Buh, Begeisterung, oft auch Jubel und dann … Seit fast zwei Jahren kaum eine Premierenfeier, dann also mit tausend Eindrücken, aber ohne Austausch, nach Hause.

Hänsel und Gretel – Volkslied und große Oper

Alle Jahre wieder … kommt im Weihnachtslied das Christuskind auf die Erde nieder, in den Opernhäusern allerdings die Familienoper Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck auf die Bühne. Ein beliebtes Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm. Also ein Kinderspiel? Von wegen! An der Oper Köln nimmt Generalmusikdirektor François-Xavier Roth persönlich – nun nicht den Taktstock – einen Bleistift in die Hand und stimmt mit dem Gürzenich Orchester das Vorspiel an. So sanft, so zärtlich, wie die Hörner klingen, ist in den ersten Minuten klar: Das wird ein zauberhafter Opernabend.

Don Carlo – Kirche, Ketzer, Königshaus

Der Tod ist allgegenwärtig. Das lebensmüde Todesmotiv der Hörner eröffnet das Vorspiel. Und das in einer Oper, die 1867 als Prunkstück der französischen Kultur die Weltausstellung in Paris zieren sollte. Giuseppe Verdi übernahm den Auftrag für die Komposition und präsentierte die ursprüngliche Grand opéra Don Carlo mit fünf Akten und Ballett in Paris. Das Stück avancierte – nach anfänglich mäßiger Akzeptanz – trotz oder gerade wegen der zahlreichen Überarbeitungen zu einer der top Opern des Repertoires.

Die Vögel – Politparabel im Federkleid

Da tummeln sie sich auf verbrannter Erde … alle Vögel, alle. Ja, eine Vogelhochzeit gibt es auch zu feiern, aber fernab von Folklore. Und die Vogelschar so bunt gewürfelt an Arten wie ihr Gefieder in der Natur. Hier allerdings in mattem Grau, blassem Flieder und lehmigem Braun, obwohl Flamingos, Adler, Störche und Meisen mitspielen. Dabei auch der kluge Rabe und der faule Kuckuck. Seit der griechischen Antike tragen die charakterlichen Zuschreibungen der Tiere typisch menschliche Züge. Auch so in der Oper Die Vögel von Walter Braunfels, die vor 101 Jahren in München uraufgeführt und in Köln in jüngerer Zeit 1991 und 1999 gespielt wurde.