Georg Friedrich Händel – Feuerwerk und Halleluja

Wo Könige gekrönt und royale Hochzeiten gefeiert werden, dort liegt Georg Friedrich Händel in der Westminster Abbey in London begraben. Den Schöpfer von unsterblich schöner Musik für die Ewigkeit ehrt auch in diesem Jahr wieder unmittelbar nach seinem 337. Geburtstag das Staatstheater Karlsruhe mit den Internationalen Händel-Festspielen. Ein Jubiläum besonderer Art begehen allerdings die Händel-Festspiele in seiner Geburtsstadt Halle. Zum 100 Mal jährt sich dieses Event exquisiter Barockmusik mit dem genius loci. Händel und der einhundertjährigen Tradition zu Ehren hat die Stiftung Händel-Haus eine Festschrift herausgegeben mit dem Titel Feuerwerk und Halleluja.

In jeder Hinsicht schwergewichtig, dieser prächtig aufgemachte Blick auf Händels Schaffen und die Historie der Festspiele in der sachsen-anhaltinischen Musikstadt Halle. Selbstverständlich bedeutet eine hundertjährige Retrospektive auch, ein Schlaglicht auf die Zeit des Nationalsozialismus und auf die Jahre der DDR zu werfen. Was machte die verordnete Distanz zu internationalem Austausch mit der künstlerischen Entwicklung auf der Bühne? Welche neuen Ansätze waren nach 1989 möglich?

Renommierte Wissenschaftler, Kulturmanager und eine Dramaturgin beleuchten in ihren Beiträgen eine bunte Vielfalt der Aspekte, die Händel auch heute noch zu einem Superstar der Musik macht. So viel vorweg: Die Aufsätze lesen sich leicht und gut, präsentieren unterhaltsam formuliert Historisches und Neues aus der Händel-Forschung.

Faszinierend die Details, die Dorothea Schröder zu „Händel und die barocke Feuerwerkskunst“ darstellt. Warum waren die Himmelsspektakel wichtig? Warum brannte man sie vornehmlich auf oder am Wasser ab? Woher kannte Händel diese Form des adligen, barocken Amüsements? Mehr als nur nice to know, sondern erhellend für die (Geistes-)Geschichte der Entstehungszeit. Folkert Uhde widmet sich dem philosophisch-religiös-musikalischen Aspekt der vanitas und der Vergänglichkeit alles Irdischen. Wie transportiert Händel das in seine Kompositionen?

„Jenny Lind, Händel und Halle“ lautet der Titel von Graydon Beeks Beitrag. Die Sopranistin, die „schwedische Nachtigall“, um die man sich in Berlin und Wien riss, feierte in England Triumphe mit großen Rollen in Händels Oratorien. Wer beim Händel-Denkmal in Halle genau hinschaut, entdeckt sie abgebildet auf dem Notenpult des Komponisten. Vom Sopran zum Countertenor: Thomas Seedorf zeichnet die Entwicklung des Männerfalsetts am künstlerischen Werdegang berühmter ehemaliger Tenöre wie Jochen Kowalsky nach. Dieser Aspekt ist umso interessanter, als die Wiederentdeckung der Händel-Opern nach 200 Jahren „Dornröschenschlaf“ auf die ursprünglich vorgesehenen Kastraten verzichten musste.

Dem „Mythos Händel“ begibt sich Arnold Jacobshagen auf die Spur. In der gebotenen Kürze porträtiert er „Das Bild des Komponisten im Wandel der Zeit“, trennt fact & fiction und stellt Biografisches in den Kontext des unermüdlichen Reisenden, des mehrfach bankrotten Geschäftsmanns, genialen und überaus produktiven Musikers und gleichermaßen „erhabenen“ wie „populären“ Komponisten. Er erläutert, wie die seit gut 100 Jahren anhaltende Händel-Renaissance höchst unterschiedliche Deutungen erfuhr.

Lust auf die Festschrift macht das attraktive Layout. Hier wechseln sich Texte mit Abbildungen historischer Dokumente und Porträts ab, hier finden Künstlerzitate Eingang, hier wird Bühnengeschehen in Fotos lebendig. Ein „Feuerwerk“ von hellen Lichtern am Händel-Himmel.

Das Buch ist im Verlag Seemann-Henschel erschienen (2022) und kostet 35,00 EUR.

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