Große, überschäumende Gefühle, Liebe und Leidenschaft, Verrat und Rache, Tod und Teufel, Tragik und Komik, Musik, die Herz und Seele berührt und in Aufruhr bringt, Künstlerinnen und Künstler, die all ihr Können ausbreiten, Höhen und Tiefen im wahrsten Sinne des Wortes - all das bedeutet mir die Oper. Je mehr ich Einblicke und Eindrücke gewinne, umso mehr wächst meine Leidenschaft für diese Kunstform.
Kein Skandal, nirgends. Als 1971 Mauricio Kagels Staatstheater zum ersten Mal auf dem Spielplan stand, gab es Bombendrohungen und Polizeischutz. Gesellschaftlich und politisch stellte die junge Generation alle Institutionen der bottbiederen Nachkriegsrepublik infrage. Und Kagel sezierte die Oper. Altehrwürdig das Repertoire, dominant die Maestri im Graben, „zeitgenössisch“ die Regie, „stiefstaats“ gewandet das Publikum. Da war…
Den ersten Lacher räumt jeder ab, der nur den Titel dieses heiteren Theaterabends ausspricht: Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt). Am besten wirkt es, wenn vor der mitgesprochenen Klammer eine Kunstpause steht. Klar, auch ohne Anglistikstudium dämmert jedem sofort, dass das Mammutwerk des Barden aus Stratford bereits in jedem einzelnen der insgesamt 37 Dramen eine riesige…
Ein Jugendstil-Juwel bietet die Kulisse für den Auftakt des 15. Rolandseck-Festivals. Dort, im Kursaal Bad Honnef, stellten die Macher und Kooperationspartner dieses mittlerweile traditionsreichen Klassikformats die Philosophie und das Programm der Konzertreihe vom 21. bis 23. August 2020 vor.
Es lebe das Klischee! Da scheint eine wehrhaft-beleibte Walküre aus der Zeit und dem Reich der Mythen und Sagen ihren umfänglichen Sopran erklingen zu lassen. Oder halt, beabsichtigt sie, den Überlandbus an der Haltestelle Oortkatenufer im südhamburgischen Marschland Ochsenwerder zum Anhalten zu bringen? Wir müssen passen, denn grau wie der wolkenverhangene Himmel ist auch hier…
Sicherheit! In den Zeiten, in denen Theater, Oper und Tanz zwischen depressivem Absturz und verhalten realistischem Optimismus oszillieren, hat die Sicherheit für das Publikum und die Mitarbeitenden top Priorität. Was das konkret für alle Sparten der städtischen Bühnen bedeutet, erläuterten GMD Dirk Kaftan, Intendant des Schauspiels Jens Groß, Generalintendant Dr. Bernhard Helmich und die Kuratorin…
In asketischer Gotik empfängt die Kirche der Jesuiten Sankt Peter Köln ihre Gäste. Minimalismus in jeder Hinsicht. Keine Kirchenbänke, kein Schmuck, keine Seitenaltäre zur Anbetung der Heiligen. Im hillije Kölle eine Ausnahme! Zwischen Volkshochschule, Rautenstrauch-Joest-Museum und der Stadtbibliothek Köln, also in einem abgezirkelten Kulturdreieck, reichen zehn Schritte, um gut 500 Jahre in der Zeit zurückzugehen. Und…
Das kulturelle und gemeinschaftliche Leben in unserem Land ist lahmgelegt. Niemand weiß, wann wir zu einer wie auch immer gearteten Normalität zurückkehren. Erst vor zwei Wochen haben wir die rauschende Premiere der FLEDERMAUS in der Oper Bonn gefeiert – die Champagnerlaune ist uns allen mittlerweile vergangen. Auf dem Foto hier seht ihr die Otto-Piene Lampe…
Frosch und Feuermelder im Duett – dieses Intermezzo bei der Premiere von Johann Strauss‘ Operette Die Fledermaus gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder.* Was sich wie eine bedrohliche Notsituation ankündigte, entpuppte sich zum Zuckerl in der spritzig-witzigen neuen Inszenierung des Operetten-Oldies von Aron Stiehl. Der Gefängnisdiener Frosch hatte seinen großen Auftritt vor seinem eigentlichen Einsatz.…
Lagerfeuer und lodernde Flammen? Festungsmauern und finstere Kerker? Waffenklirren und feindliche Truppen? Auf die bewährten Zutaten zu Guiseppe Verdis Il trovatore verzichtet der russische Regisseur Dmitri Tcherniakov vollständig. Allerdings nur in Form der szenischen Anlage. Er legt verklärende, halb wahnsinnige Naturromantik, rasende Eifersucht und seelische Geiselnahme, Aggression, Brutalität, Mord und Selbstaufgabe in das Innenleben der Personen…
Im Graben ist er der Größte. Jedenfalls was sein Gardemaß angeht. Von Daniel Johannes Mayr sieht das Publikum beim Dirigieren nicht nur, wie er den Taktstock durch die Luft sausen lässt, sondern auch seinen markanten Kopf. Und wenn er sich dem Publikum zuwendet, um es zu begrüßen, lächelt er wie bei einem Date, auf das…