Worauf gründet sich der Nationalstolz der Esten? Auf das Singen! Das estnische Liederfest gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und just in diesem Jahr findet es wieder – wie alle fünf Jahre – in Tallinn statt. Nahezu selbstverständlich also, dass Aile Asszonyi, die am 10. März 2019 mit der Titelrolle in Richard Strauss‘ Elektra debütiert, ihre sängerische Karriere im Estnischen Philharmonischen Kammerchor der Hauptstadt begann.
Nicole Piccolomini und ihr dunkel-samtiger Mezzosopran
Mit 17 Jahren machte Nicole Piccolomini den Traum wahr, der für viele ambitionierte Nachwuchskünstler immer einer bleibt. Sie bewarb sich an der weltberühmten Juilliard School in New York City, erhielt die Zusage und absolvierte dort ihre musikalisch-dramatische Ausbildung als Sopranistin.
Elektra – eine Racheengel der Antike
Ein schrecklicher Ruf eilt der Königstochter aus der griechischen Mythologie voraus. Sophokles hat das Drama um die Familienmorde bereits 413 v. Chr. geschrieben; es gehört zum gymnasialen Lektürekanon genauso wie zu den Spielplänen zahlreicher Theater, heute allerdings meist in der dramatischen Nachdichtung von Hugo von Hofmannsthal (1908). Er schrieb auf dieser Grundlage das Libretto für die Oper Elektra von Dr. Richard Strauss, wie es im Textheft heißt, zuerst 1909 veröffentlicht bei Adolph Fürster in Berlin.
Matildas Tipps – Junge und etablierte Stars
Wo die Musik spielt, liegt die Zukunft. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Blicken wir also auf die jungen Talente, die sängerisch nach den Sternen greifen, und auf renommierte Künstler, denen die Bretter der Bühnenwelt den großen Erfolg bescherten.
Der Karneval der Tiere im Arp Museum Rolandseck
Zwei Weltstars gaben sich die Ehre – der international gefeierte Bariton Aris Agiris und das wohl berühmteste Tier der Musikliteratur, der Schwan von Camille Saint-Saëns. Wer und was tummelte sich sonst noch aus Flora und Fauna auf der Bühne des Arp Museums im Bahnhof Rolandseck?
Mirko Roschkowski – der Tenor zwischen Samt und Drama
Wir finden uns zwischen Buchhandlung und Reisezentrum im Baustellenchaos am Bonner Bahnhof und begrüßen uns wie alte Freunde. Mirko Roschkowski macht es einem leicht, ihn spontan zu mögen. Und nicht nur ich bin ein bisschen verknallt in den Tenor, der am Theater Bonn Kultstatus genießt. Was macht ihn so beliebt?
Raus aus der Oper!
Verwundert reibt sich die verehrte Leserschaft die Augen. Was soll das jetzt wieder? Matilda in der Oper rät zur Abstinenz? Zum Reißaus? Ja und nein. Den vermeintlichen Widerspruch löse ich gleich auf. In den nächsten Wochen freuen wir uns auf so zauberhafte Musikabende, dass ich diesmal eine Lanze für drei Konzerte brechen: Allein die Namen der Akteure bürgen für deren Qualität. Denn seien wir ehrlich: Wem nützt eine Besprechung, wenn das Konzert nicht – wie eine Oper – für die ganze Spielzeit auf dem Plan steht?
La Gioconda von Amilcare Ponchielli
Benvenuto a Venezia! Strahlende Schönheit und dunkle Gassen, stolze Weltmacht mit morbiden Abgründen, Schauplatz für die Filmkaiserin Sissi mit ihrem Franzl genauso wie für trauertragende Gondeln. Und eben auch für die Oper La Gioconda, die auf dem Markusplatz, der Giudecca, einer unbewohnten Insel und auf einem Schiff in der Lagune spielt. Die Uraufführung erlebte der Komponist Amilcare Ponchielli am Teatro alla Scala 1876 in Mailand.
Marx in London – Another Day of Follies
Weltpremiere! So ein Ereignis feiert die Oper Bonn nicht alle Tage. Sie ließ Karl Marx wiederauferstehen und setzte dem Übervater des Kommunismus ein musikalisches Denkmal. Ja, vieles drehte sich um das Kapital, sowohl im Plot als auch in Marx‘ großer Arie zur Mitte der Tragikomödie in zwei Akten. Heiteres wechselte sich mit Schwerem ab, die Fallhöhe der Ikone bot reichlich Raum für Menschliches, allzu Menschliches.
David Parry – ein Dirigent von Weltruf für Marx in London
Zum dritten Mal hat ein Dirigent für ein Interview zugesagt. Im Spätsommer durfte ich eine wunderbare tea time mit dem up and coming ersten Kapellmeister Hermes Helfricht verbringen. Vor fast genau einem Jahr hatte der virtuose Dirk Kaftan ein Mittagsstünden Zeit für mich. Also „ganz jung“ war genauso vertreten wie der erfahrene Generalmusikdirektor. Und jetzt warte ich gespannt auf David Parry, eine „old hand“, wie man auf Englisch sagt, einen Dirigenten von Weltrang, der sich besonders mit Belcanto-Interpretationen einen Namen gemacht hat.