Gruselige Geisterritter und ein glückliches Ende

 

Es wuselt im Foyer der Oper Bonn. Mehr als die Hälfte der Premierengäste zu der Familienoper „Geisterritter“ nach dem Roman von Cornelia Funke war so zwischen sechs und sechszehn. Viele begleitet von den Eltern oder den Großeltern, dazwischen vereinzelt Opernfreunde, die einfach Lust auf diese Weltpremiere und Uraufführung verspürten. Der Komponist James Reynolds war sichtlich angespannt, als er durch’s Treppenhaus huschte. Ob das Werk funktioniert? 

Kaftan – mehr als ein Kleidungsstück

Seit Beginn der Spielzeit 2017/18 hat Bonn einen neuen GMD (Generalmusikdirektor) an Bord. Dirk Kaftan machte sich in der Oper mit der furiosen Musik von Penthesilea (Othmar Schoeck) vom Auftakt an – also im wahrsten Sinne des Wortes – einen Namen. Und ihr, liebe und hochverehrte Leserschaft (haben wir uns eigentlich schon mal über das Duzen oder Siezen geeinigt?) wisst ja bereits, dass ich eine Vorliebe für das sprichwörtliche „nomen est omen“ habe und für mich Namen eben keineswegs „Schall und Rauch“ sind.

#singenmachtschön – Dshamilja Kaiser

Da steht sie also an der Kuchentheke im Café Faßbender und ihr wundervolles Haar leuchtet in dunkelroten Locken. Umwerfend schön – also nicht nur das Haar, sondern die ganze Frau! Und wenn ihre tolle Sprechstimme zur Begrüßung erklingt, dann hört es sich an, als träfen sich alte Freundinnen: so warm und herzlich! Dshamilja Kaiser hat sich mit mir zu Tee & Torte verabredet.

Carmen und Kastagnetten

Harfe, Flöte und Piccolo tönen zauberhaft, ja magisch, aus dem Orchestergraben. Dynamisch, mitreißend, Flair im Rhythmus- und Tonköcher und gleichermaßen olé rufend schnalzen und knallen die Kastagnetten, die fürwahr selten eine tragende Rolle in der Instrumentalisierung einer Oper spielen. Aber sie geben ihr „Schmackes“, wie man im Rheinland sagt, wo die Carmen in Bonn  vor ausverkauftem Haus in vier Akten vom Lieben und Sterben der Protagonistin singt und spielt. 

Oper von hinten

Ja, so gestaltet sich eine ganz neue Opernerfahrung. Sie haben es gesehen oder gelesen: Beim Bühnenbild, das Johannes Leiacker für Peter Konwitschnys Penthesilea entworfen hat, sitzen einige – und zwar nicht wenige Zuschauer – hinter dem Podium, der weißen Spielfläche, auf der sich das Drama entfaltet. Wie im Boxring, könnte man meinen, wenn die Kontrahenten von allen vier Seiten bestaunt und angestachelt werden. Ich bin davon überzeugt, dass dies exakt der dramaturgische (Hinter-) Gedanke war.