Das Publikum im Saal jubelt, die Akteure auf der Bühne strahlen. So geht Oper! Verwundert reiben wir uns die Augen. Liegt die Premiere nicht schon zwei Wochen zurück? Fielen die Begeisterung und die Kritik nicht eher mäßig aus? Verriss für die Inszenierung und nur höflicher Applaus für die Beteiligten?
#singenmachtschön – Dshamilja Kaiser
Da steht sie also an der Kuchentheke im Café Faßbender und ihr wundervolles Haar leuchtet in dunkelroten Locken. Umwerfend schön – also nicht nur das Haar, sondern die ganze Frau! Und wenn ihre tolle Sprechstimme zur Begrüßung erklingt, dann hört es sich an, als träfen sich alte Freundinnen: so warm und herzlich! Dshamilja Kaiser hat sich mit mir zu Tee & Torte verabredet.
Carmen und Kastagnetten
Harfe, Flöte und Piccolo tönen zauberhaft, ja magisch, aus dem Orchestergraben. Dynamisch, mitreißend, Flair im Rhythmus- und Tonköcher und gleichermaßen olé rufend schnalzen und knallen die Kastagnetten, die fürwahr selten eine tragende Rolle in der Instrumentalisierung einer Oper spielen. Aber sie geben ihr „Schmackes“, wie man im Rheinland sagt, wo die Carmen in Bonn vor ausverkauftem Haus in vier Akten vom Lieben und Sterben der Protagonistin singt und spielt.
Bizet war nie in Spanien
Wie bitte? Der Komponist der (vom Sujet her) spanischsten aller Opern kannte das Setting, wie wir heute sagen, nicht aus eigener Anschauung? Alles ausgedacht und angelesen? So wie Karl May nie im wilden Kurdistan weilte und Jules Verne de facto nicht zum Mittelpunkt der Erde reiste?
Carmen – L’amour et la mort
Aus den Herzstücken von Bizets Carmen gab es heute Kostproben zur Matinée im Foyer der Oper Bonn. Don José versucht ein letztes Mal, seine Angebetete für sich (zurück) zu erobern und dazu ließ Felipe Rojas Velozo seinen strahlenden Tenor in der Blumenarie erklingen.
Oper von hinten
Ja, so gestaltet sich eine ganz neue Opernerfahrung. Sie haben es gesehen oder gelesen: Beim Bühnenbild, das Johannes Leiacker für Peter Konwitschnys Penthesilea entworfen hat, sitzen einige – und zwar nicht wenige Zuschauer – hinter dem Podium, der weißen Spielfläche, auf der sich das Drama entfaltet. Wie im Boxring, könnte man meinen, wenn die Kontrahenten von allen vier Seiten bestaunt und angestachelt werden. Ich bin davon überzeugt, dass dies exakt der dramaturgische (Hinter-) Gedanke war.
Ein Alphorn, zwei Konzertflügel, eine Pistole und zwei Tote
Das Rosenfest, das tödlich endet
Sah ein Knab’ ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön,
…
Achill und die Amazone
Bonn blickt der ersten Premiere der Spielzeit 2017/18 gespannt entgegen: Ein Stoff der klassischen Antike steht auf Programm.
Kennen Sie Liebestöter?
Peter-der-Große-Konwitschny inszeniert Penthesilea in Bonn
Heute in exakt zwei Wochen wissen wir mehr: Wie der legendäre Peter Konwitschny Penthesilea von Othmar Schoeck auf die Bühne bringt. Die Oper macht sich rar im Repertoire. Was unterscheidet sie von den Kassenschlagern wie Carmen & Co mit ihren Arien-Hits, die viele wie Gassenhauer trällern, schmettern, singen, anstimmen, summen oder pfeifen?