Wir schreiben die Jahre 1890 und 1892. Italien sucht den Superstar. Also den Superkomponisten. Die wichtigste Regel für die Wettstreiter: Ein Einakter muss es sein. Und da treten aus der zweiten Reihe zwei Jungstars auf, die sich mit ihren volksnahen Geschichten von Liebe, Eifersucht, Rache, Tod und Teufel auf das Siegerpodest katapultieren. Pietro Mascagni und Ruggero Leoncavallo wurden mit ihren one-hit-wonders Cavalleria Rusticana und Pagliacci (Der Bajazzo) über Nacht berühmt. Die beiden Opern errangen – meist zusammen aufgeführt – Spitzenplätze auf der Bestenliste des Opernrepertoires.
Opernfestspiele & Klassikfestivals – ein Merian-Band der Spitzenklasse
Merian – allein der Name bürgt für Qualität. Trägt doch das renommierte Reisemagazin den Namen des Basler Kupferstechers Matthias Merian, der bereits im 17. Jahrhundert Städtereliefs in feinsten Details für die Zeitgenossen,
aber vielleicht mehr noch für uns Nachgeborene gestochen hat. Ein Reisemagazin für gehobene Ansprüche, das auf einzigartige Weise Region und Religion, Kultur und Kunst, Essen und Trinken, Geschichte und Gebräuche des jeweiligen Ziels beschreibt und bebildert. Seit über 70 Jahren – also seit bereits kurz nach dem zweiten Weltkrieg – zeichnen sich die Hefte durch journalistische Qualität, das heißt gründliche Recherche und sprachliche Finesse aus. Nun also eine Mottoreise zu 50 ausgewählten Zielen rund um den Globus – in einem prächtigen, fest gebundenen Buch.
(Bildnachweis © Getty Images: Jan Hetfleisch, mit freundlicher Genehmigung des Gräfe und Unzer Verlags)
Guy Montavon – Generalintendant am Theater Erfurt und Opernregisseur zwischen Bonn und Bilbao
Ein Gefühl wie beim speed-dating.
Eine knappe Stunde ist Guy Montavon und mir vergönnt, um schnell seine aktuelle Arbeit am Theater Bonn, die Neuinszenierung von Cavalleria Rusticana und Pagliacci, zu beleuchten. Wie kostbar seine Zeit ist und wie glücklich ich mich schätzen kann, lässt sich am unablässigen Ping und den zahlreichen Jingles für eingehende Nachrichten und Mails ablesen. Ein Uhren-Mini-Computer am Handgelenk hält ihn ständig auf dem Laufenden. Zur Premiere von Don Pasquale im eigenen Haus am darauffolgenden Samstag reist er zwischen den Hauptproben hier in Bonn quer durch Deutschland. Das unstete Leben der Theaterleute!
Cavalleria Rusticana und Pagliacci – wie siamesische Zwillinge der Opernliteratur
Was war so revolutionär an den beiden Opern von Pietro Mascagni und Ruggero Leoncavallo? Haben Sie wirklich eine gemeinsame DNA? Sind sie untrennbar miteinander verbunden oder gerade im Gegenteil „postnatal“ historisch zusammengefügt? Was macht bis heute die Faszination der beiden mit am meisten auf den Bühnen dieser Welt gespielten Opern aus? Wie gestaltet sich der Verismo in den Werken von zwei Preisträgern eines Komposionswettbewerbs?
Hank Irwin Kittel – Bühnenbildner mit Liebe zur Oper
Nie sollst du mich befragen … Allen Opernfans klingeln sogleich das Leitmotiv und die Schicksalsfrage aus Wagners Lohengrin im Ohr.
Ähnlich wie die verunsicherte Elsa und doch ganz anders frage ich meinen Gesprächspartner nach seinem Namen. Wie kommt ein Mann, Anfang der 60er Jahre in der Nähe von Heilbronn geboren und aufgewachsen, an einen niederländisch-englisch anmutenden Namen? Ganz einfach – in einer Laune seiner studentischen Künstlergruppe, die im „Brimborium“ tagte und feierte, erfand eine Kommilitonin diese doch leicht exotische Kombination. Flugs warf er den bürgerlichen Namen (Helmut? Günter? Hans-Peter?) über Bord und blieb für immer bei diesem neuen Nomen. Ob er auch Omen ist? Als „Herrscher des Hauses“, wie das Namenslexikon verrät?
Guy Montavon und Hank Irwin Kittel zu Gast bei den Opernfreunden Bonn
Der Mann hat ein Anliegen. Und er hat etwas zu sagen. Und bringt spontan seinen Ausstattungsleiter mit. Im Klavierhaus Klavins in Bonn-Beuel fanden sich rund 30 Gäste der Opernfreunde Bonn ein, um sich auf die Doppelpremiere von Cavalleria Rusticana und Pagliacci einzustimmen. Der Erfurter Generalintendant Guy Montavon ließ eine wichtige Probe zu seiner aktuellen Regiearbeit hier an der Oper Bonn sausen und stand dem Moderator Dr. Benedikt Holtbernd Rede und Antwort, an vielen Stellen unterstützt von Hank Irwin Kittel, der für die Bühne der beiden italienischen Verismo-Opern verantwortlich zeichnet. Welche Geheimnisse gaben sie zweieinhalb Wochen vor der Premiere preis?
Hermann Dechant und die Figuren im Rosenkavalier
Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst. Ein echtes Wiener Urgestein gab sich wenige Tage nach der Premiere des Rosenkavalier von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss die Ehre.
Bereits mit 15 Jahren half Hermann Dechant als Flötist bei den Wiener Philharmonikern aus, absolvierte eine große Karriere als Soloflötist bei den Bamberger Sinfonikern, studierte außer Musikwissenschaft auch Kunstgeschichte, wurde Professor für Dirigieren und Orchesterleitung, gründete einen eigenen Musikverlag und rief – gemeinsam mit seiner Frau Margit Haider-Dechant – das Joseph-Woelfl-Haus in Bonn-Lessenich ins Leben. Mit den Gästen der Opernfreunde Bonn beleuchtete er den Rosenkavalier als einmaligen Fall der Operngeschichte. Warum?
Also Rosenkavalier! Der Teufel hol ihn!
Eine Komödie für Musik – so nannten Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal ihre heitere Oper, die der bedeutungsschweren Elektra folgte. In der Rekordzeit von 16 Monaten schufen sie ein Meisterwerk, das die Kritik seinerzeit verriss und das Publikum bis heute liebt. „Ochs auf Lerchenau“ oder „Der Grobian in Liebesnot“ waren ebenfalls Titel in der engeren Auswahl. Aber Strauss‘ Gattin Pauline favorisierte den „Rosenkavalier“ – und dieser Name trieb Blüten bis hin zum Rosenkavalier-Sonderzug von Berlin nach Dresden, wo die Oper 1911 uraufgeführt wurde.
Die Hochzeit des Figaro – Mozarts toller Tag als Narropera
Warum lieben so viele Menschen Hörbücher, Hörspiele, Autorenlesungen und neuerdings podcasts? Warum bedeutet es einen heiteren Genuss, wenn ein Erzähler uns an die Hand nimmt und in die Welt spannender Geschichten entführt? Die Antwort liegt nahe: Schlagartig macht sich in uns das Gefühl von Gutenachtgeschichte, von kuscheligen Vorlesestunden auf dem Sofa breit. Eine kleine Reise in unsere Kinderwelt, wo wir voller Vertrauen lauschen und uns mit den Helden auf eine abenteuerliche Irrfahrt begeben. Und nun also eine erzählte Oper, solistisch vorgetragen die Handlung, musikalisch interpretiert von Geige, Flügel und Sopran.
Infinito Nero – Ekstasen in einem Akt für Stimme und acht Instrumente
Zu sehen ist zunächst einmal – nichts. Das unendliche Schwarz. Mit knappster Ansage instruiert der Regisseur das Publikum: Legen Sie jetzt ihre Augenmaske an. In kollektiver Blindheit erleben die Premierengäste die konzertante Version von Infinito Nero bis fine dell’opera nach 28 Minuten. Salvatore Sciarrino fordert zum Hören mit der Lupe auf. Wenn keinerlei visuelle Stimuli die akustischen Signale begleiten, dann entfalten Töne, Klänge, Geräusche und vor allem die zahlreichen Leerstellen ein „unerhörtes“ Eigenleben.