Mehr als eine ganze Minute lang braucht es – perfekte Stille – erst dann löst sich langsam die Spannung. Die ersten Hände schlagen zum Applaus ineinander; zögerlich zunächst, dann begeistert stimmt das gesamte Publikum mit ein. Für dieses einzigartige Werk benötigen alle, Akteure wie Zuhörer, zunächst einen Moment des Ankommens.
Laura Scozzi zündet die Brisanz in Philip Glass‘ ECHNATON
Wer kennt sie nicht, die Anekdote vom quirligen Mozart und dem eher betulichen Kaiser in der Wiener Hofburg? Der Habsburger Joseph II soll Die Entführung aus dem Serail mit „Zu schön für unsere Ohren und gewaltig viel Noten, lieber Mozart“ kommentiert haben. Worauf der junge Kompositeur replizierte „Gerade so viel Noten, Eure Majestät, als nötig sind.“ * Da kann man wohlfeil die Frage stellen „Are you sure you composed sufficient chords, dear Phil Glass?“
Liebe, Geduld und Bühnenstaub – 25 Jahre Kinder- und Jugendchor Theater Bonn
Es war ein Fest! Fröhlich, farbig, frech und auch ein bisschen feierlich. Wir haben geschmunzelt, gelacht, gestaunt und mir – die ich ein bisschen rührselig bin – kamen bei zwei Nummern die Tränen. Einfach bravourös, was 140 Jungen und Mädchen zwischen 6 und 26 mit dem Beethoven Orchester Bonn auf die Bühne brachten.
Kinder- und Jugendchor der Oper Bonn feiert sein 25-jähriges Jubiläum
Der Countdown läuft. Nur noch ein paar Tage bis zum großen Jubiläum, auf das alle Akteure hinfiebern. Gerade in Bonn grassiert die Grippe so heftig, dass das Wort „Fieber“ wörtlich zu nehmen ist. So zwischen 120 und 150 Sängerinnen und Sänger finden sich auf der Bühne ein, auf der Ekaterina Telegina nicht nur den Chor, sondern auch das Beethoven Orchester Bonn dirigiert.
Stephan Zilias – der junge Dirigent und der vorchristliche Pharao
1. Kapellmeister an der Oper klingt ein wenig nach Frackschößen, Wiener Schmäh und Küss-die-Hand, nach silberhaarig und ehrerbietig. „Herr Kapellmeister, lass er die Geigen anspielen …“ Absolut anders die Wirklichkeit. Ganz jung, ganz Jeans & Pulli, sehr Bonn-affin und offen sitzt er mir gegenüber: Stephan Zilias, der in dieser Funktion seit August 2015 an der Oper Bonn die musikalische Gestaltung wunderbarer Aufführungen übernimmt.
Echnaton, der Sonnengott
An einem strahlend schönen, wahrhaft sonnigen Sonntag machen wir erste Bekanntschaft mit Echnaton, einer der großen Porträtopern von Philip Glass. Beamen wir uns also von minus 4 Grad Celsius am Rhein ins sengend heiße Ägypten und von dort zurück in die Banlieues, dem perspektivischen Schauplatz der Oper. Laura Scozzi inszeniert – und das garantiert überraschende Regieeinfälle. Aktuell, kritisch, innovativ.
La traviata in der Staatsoper Unter den Linden
Vom rechten Wege abgekommen und doch ein Leuchtturm in moralischer Größe und menschlicher Würde – so inszeniert der legendäre Dieter Dorn Verdis La Traviata an der Staatsoper in Berlin. Die aufsehenerregende Premiere war bereits im Dezember 2015 noch im Schillertheater am anderen Ende der Stadt zu hören und zu sehen. Damals mit Generalmusikdirektor Daniel Barenboim am Pult.
Die Hochzeit des Figaro – und Eros pfeift auf die Moral
Los geht es wie immer … mit der Ouvertüre. Sie hat nichts mit irgendeiner Nummer in der ganzen Oper zu tun. Ihr Alleinstellungsmerkmal? Auf jeden Fall sprüht sie vor musikalischer Lebensfreude, kommt tänzerisch und unbeschwert daher, erfreut sich großer Beliebtheit als kleine Zugabe, als Solostückchen grandioser Mozart’scher Kompositionskunst.
Die Theaterbrezel – ein Gastbeitrag
Das süffisante Meucheln einer allseits praktizierten Pausentradition. Wer hätte das gedacht? Die ZEIT und ihr Feuilleton, Treffpunkt der kulturaffinen Liebhaber von Literatur, Musik, Film, Kunst, Theater und Oper, widmen sich den Niederungen der Primärbedürfnisse. Leo Fischer an den Tasten, die diesmal kritische Töne erzeugen.
Der Figaro – so aktuell wie nie
Ein Gemeinplatz unter Theater- und Filmleuten: Gegen Kinder und Tiere kannst du nicht anspielen. Welch ein Irrtum, wie sich heute bei der Matinee zu „Die Hochzeit des Figaro“ zeigte. Pancho, der etwas hüftlahme, aber spürsichere Hund als Begleiter von Opernregisseur Aron Stiehl, ließ sich auf und über die Bühne tragen, entschwebte aber gleich nach dem Schlussapplaus zielsicher zum Buffet im Restaurant. Eine feine Hundenase eben.