Die Spielzeit 2023/24 am Theater Bonn – Jetzt auch zum Hören

Kurz und kompakt präsentiert das Theater Bonn sämtliche Bühnenereignisse der kommenden Spielzeit auf 64 Seiten. Oper, Schauspiel, Tanztheater, Quatsch keine Oper und alle Abo-Angebote finden sich dort. Warum haben die Macher die Infos zum umfangreichen Programm und zu Abonnement und Service auf ein solch schmales Print-Format runtergedampft? Es gibt eine neue, digital zugängliche Informationsquelle zum Programm. Ab sofort bringen Originalstimmen aus dem Ensemble des Schauspiels Bonn Details zu den einzelnen Produktionen zu Gehör. Jeweils drei Minuten dauern die akustischen Trailer. Ausprobieren kann man es gleich hier mit der Kamera des Smartphones.

Eine zentrale Funktion im Spielplan der Oper nimmt Moses und Aron von Arnold Schönberg ein. Die Produktion sei aufwändig und teuer und nur mit finanziellen Zuschüssen zur Reihe Fokus |’33| zu stemmen, so Generalintendant Dr. Bernhard Helmich. Man möge nur das Publikum nicht verschrecken, indem man Zwölftonmusik zu häufig erwähne. Sinnlich sei die Musik, mit ihr könne man Geschichten erzählen und Emotionen wecken, ergänzte Generalmusikdirektor Dirk Kaftan. Er habe sich auch den Regisseur Lorenzo Fioroni gewünscht, der ein besonderes Händchen für großartige Chorarrangements habe. Der Chor des Theater Bonn probt das Stück schon seit vier Jahren; ergänzt wird er auf der Bühne durch den Extrachor und einen weiteren Chor aus Berlin. Premiere ist am 10. Dezember 2023.

Die Jahresplanung der Opernproduktionen wird wesentlich beeinflusst durch die Verfügbarkeit des Chors. Deshalb gehen Moses und Aron zwei Repertoire-Renner voraus, die fast ganz ohne Chor auskommen: Rigoletto und Die Entführung aus dem Serail. Die Verdi-Oper wird nicht Will Humburg, sondern Daniel Johannes Mayer dirigieren und Hausregisseur Jürgen R. Weber inszenieren, die musikalische Leitung für den Mozart übernimmt Hermes Helfricht. Die Entführung aus dem Serail inszeniert Katja Czellnik, die sicher den Serail und das Frauenbild dieses Singspiels kritisch unter die Lupe nehmen wird.

Zu Beginn des Jahres 2024 setzt die Oper Bonn einen absoluten Kontrapunkt zur Schönberg-Oper. Jonathan Dove, nach Pinocchios Abenteuer und Marx in London kein Unbekannter in Bonn, steuert seine Oper Flight zum Programm bei. Steven Spielberg hat dem im Pariser Flughafen gestrandeten Geflüchteten im Film Terminal ein Denkmal gesetzt, Dove entwickelt in seiner Oper eine Flüchtlingsgeschichte, die zum Psychodrama wird. Adriana Altaras, die in der vergangenen Spielzeit Li-Tai-Pe inszenierte, führt Regie.

Ein Wiedersehen gibt es auch bei der dann für den 3. März 2024 terminierten Premiere von Eugen Onegin von Peter Tschaikowsky. Vasily Barkhatov, der mit Sibirien eine eindringliche, video-untermalte Inszenierung präsentierte, führt Regie bei einem Stück, das ihn wieder in seine russische Heimat führt. Die Oper Bonn kann sich glücklich schätzen, dass dieser Regie-Star wieder mit einer Inszenierung das Programm bereichert, so Bernhard Helmich.

Zum vierten Mal – nach Xerxes, La Cenerentola und Agrippina übernimmt Leo Muscato eine Regie hier in Bonn. Schmunzelnd fügt Bernhard Helmich hinzu, dass Muscato an der Mailänder Scala und eben häufig in Bonn inszeniert … Jetzt also Die Liebe zu den drei Orangen von Serge Prokofieff, auch ein persönlicher Wunsch von GMD Dirk Kaftan. Vor Jahren hat er das Stück an der Komischen Oper in Berlin einstudiert, das aber dann wegen eines Orchesterstreiks nur mit zwei Klavieren quasi konzertant aufgeführt wurde. Jetzt also endlich „richtig“; die Premiere findet am 14. April 2024 statt. Das Publikum dürfe sich auf ein wahnsinnig verrücktes Stück freuen, das bekannte Elemente der Oper aufs Korn nimmt und persifliert.

Kontroverse Diskussionen hat in der vergangenen Spielzeit Ein Feldlager in Schlesien hervorgerufen. Der Regisseur Jakob Peters-Messer inszeniert nun eine spektakulär kurze (90 Minuten) und spektakulär aktuelle Produktion von Werner Egks ebenfalls sehr kontroverser Oper Columbus. Als Radio-Oper ursprünglich konzipiert, war Columbus noch nie so recht erfolgreich auf der Bühne. Das ganze Stück ist in einer Aufnahme aus den 50-er Jahren hier zu hören. Chöre wie aus Carmina Burana und Texte wie von Bert Brecht, mit Fritz Wunderlich als Ferdinand. *

Als Wiederaufnahmen zeigt die Oper Bonn Li-Tai-Pe von Clemens von Franckenstein mit Mirko Roschkowski in der Hauptrolle als des Kaisers Dichter, die halbszenische Aufführung von Maria di Buenos Aires von Astor Piazzolla, Brundibár von Hans Krása und die Familienoper Iwein Löwenritter von Moritz Eggert.

Eine Operette sucht man im neuen Spielplan vergeblich, aber mit einem echten Kracher – so Bernhard Helmich – gestaltet die Oper Bonn bereits am 20. August 2023 den Auftakt zur neuen Saison. Frankenstein Junior von Mel Brooks wird über die ganze Spielzeit aufgeführt, als Sängerinnen und Sänger habe man echte Musical-Stars verpflichtet.

Mit acht Premieren und vier Wiederaufnahmen wartet die Oper Bonn auf, noch getoppt vom Spielplan des Schauspiels. Jens Groß und Carmen Wolfram präsentieren in einem Parforceritt alle einzelnen Stücke. Als Schwerpunkte nennen sie partizipatives Theater, Anbindung an die Stadtgesellschaft, aktive Teilnahme und Erlebnisräume schaffen, Diskurse in den Nachgesprächen ermöglichen. Den Bogen spannen sie von dramatisierten Romanen wie Von Mäusen und Menschen von John Steinbeck über den neu gestalteten berühmten Fragebogen von Max Frisch, Büchners Woyzeck bis hin zu Nora von Henrik Ibsen und Die Legende von Paul und Paula mit Songs von Gundermann bis Rio Reiser. Ein echtes Anliegen der Theatermacher: Jungen Frauen als Regisseurinnen eine Bühne zu bieten.

Alle Informationen zum neuen Spielplan des Theater Bonn findet ihr hier.

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