Düstere erste Takte der Musik, graue meterhohe Wände, ein Überfall, ein Mord – wie der Auftakt zu einem Tatort-Krimi hebt die Suche nach dem Schuldigen in diesem Drama ab. Im Kölner Staatenhaus feiert Don Giovanni von Wolfgang Amadeus Mozart Premiere. Die „Oper aller Opern“, wie es oft heißt. Das Stück enthält einfach alles, was ein fantastisches Bühnenspektakel ausmacht: eine enorme musikalische Bandbreite mit Wurzeln im Barock und prospektiven Elementen der Belcanto-Oper, deutungstiefe Dramatis personae, die sich seit 238 Jahren immer wieder aktuell interpretieren lassen, ein kontrastierendes Mit- und Nebeneinander der Ständegesellschaft des 18. Jahrhunderts, darüber hinaus eine rasante Mischung von Opera seria und buffa, aber ohne das Lieto fine, das glückselige Ende, das die Ordnung von vor dem Wirbelsturm wiederherstellt.
Die Macht des Schicksals – Ein Welttheater
Die Schauplätze liegen in Spanien und Italien, die Handlung schlingert über einen Zeitraum von zehn Jahren, die dramatis personae rekrutieren sich aus zahlreichen gesellschaftlichen Gruppen, das Bruchstückhafte gilt als Strukturprinzip. Mit La Forza del destino blättert Giuseppe Verdi ein Panoptikum der Zeit der österreichischen Erbfolgekriege in der Mitte des 18. Jahrhunderts auf. Von dieser historischen Verortung löst sich der englische Regisseur Sir David Pountney völlig und abstrahiert die Themen um Schicksal und Glaube, Krieg und Frieden, Rache und Gnade, Barmherzigkeit und Zynismus, Liebe und Tod überzeugend auf eine non-naturalistische Ebene. Ein geschickter Schachzug: Weite Interpretationsspielräume öffnen sich.
Nabucco
Kurz vor Weihnachten zwei Repertoire Renner! Der 1. Dezember beschert der Opernregion Köln-Bonn in der Bundesstadt Puccinis Tosca, fast pünktlich zum 100. Todestag des Maestro, und der Domstadt am selben Tag Verdis Nabucco, mit dem der der junge Komponist 1842 seinen ersten großen Triumph feierte. Stehend bejubelte das Kölner Publikum die eigenwillige Inszenierung dieser wuchtigen Choroper – und das will im Staatenhaus etwas heißen!
Tatort Oper – Köln stellt den Spielplan 2024/25 vor
Zur besten Krimizeit, am Sonntagabend, feiern in Köln die meisten Neuproduktionen der Oper Premiere. Eine längere Spieldauer als der beliebte Kölner Tatort haben die Opern in der Regel schon, dafür erlebt das Publikum alles live und in Farbe. Und nun, so verkündet der Intendant Hein Mulders, dreht der WDR einen Tatort sowohl im Staatenhaus als auch auf der Baustelle des Stammhauses am Offenbachplatz. Das Fernsehteam filmt bei dem Oratorium Die Schöpfung von Joseph Haydn, mit dem die Oper Köln in einer szenischen Aufführung die neue Spielzeit einläutet.
COLUMBUS – Die Gier nach Gold
„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen!“ Als Margarete die Schmuckschatulle öffnet, die ihr Faust übermitteln lässt, wird ihr auf den ersten Blick bewusst: Diese Sehnsucht nach glänzenden Kostbarkeiten führt ins Verderben. 1808 formulierte Goethe in der Tragödie Faust die schrecklichen Folgen dieser verhängnisvoll-trügerischen Verführung.* Und nun Christoph Columbus, der genuesische Seefahrer in spanischen Diensten, den Werner Egk zum Titelhelden seiner Radio-Oper Columbus machte, die 1932 im Bayrischen Rundfunk uraufgeführt wurde, 1942 dann zum ersten Mal szenisch in Frankfurt am Main erschien. Die Oper Bonn bringt das Werk im Rahmen der Reihe FOKUS |’33| in einer opulenten Inszenierung auf die Bühne.
Die Perlenfischer – Die verhängnisvolle Macht der Liebe
Operngenuss pur – nur drei großartige Sänger und eine fantastische Sängerin sowie das Gürzenich Orchester und der Chor auf einer puristischen Bühne interpretierten Les pêcheurs de perles (Die Perlenfischer) von Georges Bizet und rissen das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Ein Glücksgriff für die Oper Köln mit dem letzten Repertoire-Stück dieser Spielzeit und eine musikalische „Perle“, die ohne jegliches Regie-Beiwerk einfach nur durch hohe musikalische Kunst entzückte.
Spielplan der Oper Bonn 2024/25 – Was gibt’s Neues?

Das Neue ist zunächst einmal die Kontinuität, wenn es um die Intendanz des Theater Bonn und die musikalische Leitung des Hauses geht. Dr. Bernhard Helmich wirkt nun bereits im 12. Jahr als Gesamtverantwortlicher für Oper und Schauspiel, der Generalmusikdirektor Dirk Kaftan widmet sich seiner 8. Spielzeit am Bonner Haus. Was das überaus treue und engagierte Publikum ab Oktober 2024 erwartet, präsentierten die Beiden zusammen mit den Chefdramaturginnen von Schauspiel und Oper, Carmen Wolfram und Polina Sandler, am 23. Mai 2024 in der in Schwarz-Rot renovierten Lounge im Opernhaus.
Ein Maskenball – Verbotene Liebe
Störfaktor Bariton! Wie in zahllosen Opern erzählt Ein Maskenball eine klassische Dreiecksgeschichte. Der Tenor liebt den Sopran, der eifersüchtige Bariton vereitelt die Vereinigung und tötet den Nebenbuhler. Beim Komponieren dieser Oper allerdings zwangen andere delikate Details Giuseppe Verdi und seinen Librettisten Antonio Somma, die Handlung ins weit entfernte Amerika zu verlegen, nachdem kirchliche und weltliche Zensur das Stück sittenkonform bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt hatten. Denn die Oper zeigt den Mord an einem Herrscher auf offener Bühne. Zugrunde liegt eine historische Begebenheit: Der schwedische König Gustav III wurde 1792 von Aufständischen in seinem eigenen Opernhaus getötet.
Die Liebe zu den drei Orangen – Un miracle!
Sie haben es wieder getan! Leo Muscato, Andrea Belli und Margherita Baldoni – das italienische Trio – verwandeln mit Regie, Bühne und Kostümen die Oper Bonn in ein Märchenland. Und toppen mit Die Liebe zu den drei Orangen ihre Erfolge von Xerxes, Agrippina und der entzückenden La Cenerentola der letzten Bonner Spielzeiten. Ein farbenfrohes, vergnügliches Spektakel aus der Welt der Märchen und Mythen boten dem Premierenpublikum reichlich Anlass zum Staunen, Schmunzeln, Lachen.
TOSCA – Polizeistaat in der Kirche
Grandios, was Giacomo Puccini mit Tosca gelungen ist. Mühelos lässt sich der Politthriller um die Stellung der Kunst in einem totalitären System, das Drama um Schönheit, Liebe, Eifersucht, Sadismus und Terror in eine andere Zeit transponieren. Ursprünglich spielte die Handlung um den liebenswerten Maler Mario Cavaradossi, die Primadonna Floria Tosca, den Polizeichef Scarpia und den politischen Aufrührer Cesare Angelotti in Italien um 1800; die Uraufführung der Oper erfolgte 1900 in Rom, unweit vom Schauplatz der Tragödie. Die Oper Köln zeigt Tosca in der Regie von Thilo Reinhardt, dessen Inszenierung in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts spielt. Und das funktioniert ausgezeichnet: mitreißend, furchteinflößend, niederschmetternd. Puccini selbst sah sich als den Komponisten der Gefühle: Wenn Chio-Chio San sich den Dolch in die Brust rammt, Mario Cavaradossi dem Todesschuss erliegt oder Tosca von der Engelsburg in den Tod springt, ist jeder im Publikum erschüttert.