Operngenuss pur – nur drei großartige Sänger und eine fantastische Sängerin sowie das Gürzenich Orchester und der Chor auf einer puristischen Bühne interpretierten Les pêcheurs de perles (Die Perlenfischer) von Georges Bizet und rissen das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Ein Glücksgriff für die Oper Köln mit dem letzten Repertoire-Stück dieser Spielzeit und eine musikalische „Perle“, die ohne jegliches Regie-Beiwerk einfach nur durch hohe musikalische Kunst entzückte.
Spielplan der Oper Bonn 2024/25 – Was gibt’s Neues?

Das Neue ist zunächst einmal die Kontinuität, wenn es um die Intendanz des Theater Bonn und die musikalische Leitung des Hauses geht. Dr. Bernhard Helmich wirkt nun bereits im 12. Jahr als Gesamtverantwortlicher für Oper und Schauspiel, der Generalmusikdirektor Dirk Kaftan widmet sich seiner 8. Spielzeit am Bonner Haus. Was das überaus treue und engagierte Publikum ab Oktober 2024 erwartet, präsentierten die Beiden zusammen mit den Chefdramaturginnen von Schauspiel und Oper, Carmen Wolfram und Polina Sandler, am 23. Mai 2024 in der in Schwarz-Rot renovierten Lounge im Opernhaus.
Ein Maskenball – Verbotene Liebe
Störfaktor Bariton! Wie in zahllosen Opern erzählt Ein Maskenball eine klassische Dreiecksgeschichte. Der Tenor liebt den Sopran, der eifersüchtige Bariton vereitelt die Vereinigung und tötet den Nebenbuhler. Beim Komponieren dieser Oper allerdings zwangen andere delikate Details Giuseppe Verdi und seinen Librettisten Antonio Somma, die Handlung ins weit entfernte Amerika zu verlegen, nachdem kirchliche und weltliche Zensur das Stück sittenkonform bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt hatten. Denn die Oper zeigt den Mord an einem Herrscher auf offener Bühne. Zugrunde liegt eine historische Begebenheit: Der schwedische König Gustav III wurde 1792 von Aufständischen in seinem eigenen Opernhaus getötet.
Die Liebe zu den drei Orangen – Un miracle!
Sie haben es wieder getan! Leo Muscato, Andrea Belli und Margherita Baldoni – das italienische Trio – verwandeln mit Regie, Bühne und Kostümen die Oper Bonn in ein Märchenland. Und toppen mit Die Liebe zu den drei Orangen ihre Erfolge von Xerxes, Agrippina und der entzückenden La Cenerentola der letzten Bonner Spielzeiten. Ein farbenfrohes, vergnügliches Spektakel aus der Welt der Märchen und Mythen boten dem Premierenpublikum reichlich Anlass zum Staunen, Schmunzeln, Lachen.
TOSCA – Polizeistaat in der Kirche
Grandios, was Giacomo Puccini mit Tosca gelungen ist. Mühelos lässt sich der Politthriller um die Stellung der Kunst in einem totalitären System, das Drama um Schönheit, Liebe, Eifersucht, Sadismus und Terror in eine andere Zeit transponieren. Ursprünglich spielte die Handlung um den liebenswerten Maler Mario Cavaradossi, die Primadonna Floria Tosca, den Polizeichef Scarpia und den politischen Aufrührer Cesare Angelotti in Italien um 1800; die Uraufführung der Oper erfolgte 1900 in Rom, unweit vom Schauplatz der Tragödie. Die Oper Köln zeigt Tosca in der Regie von Thilo Reinhardt, dessen Inszenierung in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts spielt. Und das funktioniert ausgezeichnet: mitreißend, furchteinflößend, niederschmetternd. Puccini selbst sah sich als den Komponisten der Gefühle: Wenn Chio-Chio San sich den Dolch in die Brust rammt, Mario Cavaradossi dem Todesschuss erliegt oder Tosca von der Engelsburg in den Tod springt, ist jeder im Publikum erschüttert.
Eugen Onegin – Das verpasste Glück
„Lyrische Szenen“ nannte Pjotr Tschaikowsky sein Bühnenwerk Eugen Onegin, das ihm nach der Uraufführung 1879 in Moskau endlich den lang ersehnten Erfolg bescherte. Als Quelle nutzte er das russische Nationalepos von Alexander Puschkin mit demselben Titel. Der Dichter zeichnete in seinem „Roman in Versen“ ein ironisch gebrochenes Gesellschaftsbild im Russland des frühen 19. Jahrhunderts, das insbesondere die tiefe Kluft zwischen dem Französisch sprechenden Hochadel in den Metropolen, dem einfachen Landadel und den Massen an bitterarmen Bauern und Leibeigenen auf dem Land veranschaulichte. Die Titelfigur erscheint dabei als versnobter Mann von Welt, der die spontane Liebe eines jungen Mädchens als die Schwärmerei eines Teenagers abtut. Nun inszeniert der russische Regisseur Vasily Barkhatov die Oper in Bonn.
Idomeneo – Das Trauma des antiken Kriegshelden
„La vita il figlio e il genitor la pace“ – der Sohn möge leben und der Vater Frieden finden. Um diese beiden Desiderate kreist Mozarts frühe Oper Idomeneo. Das eine erzählt die antike Geschichte um ein Menschenopfer, das andere stellt die psychischen Qualen des Titelhelden dar. Als junger Mann von 24 Jahren komponierte Mozart dieses packende Drama aus der Folgezeit des Trojanischen Kriegs, dessen bestürzende Aktualität Floris Visser an der Oper Köln in Szene setzt.
FLIGHT – Stillstand am Airport
„Willkommen in Bonn, Köln/Bonn“ – so lautete viele Jahre lang am Flughafen CGN die Begrüßung der Fluggäste als James-Bond-Persiflage. Nun also heißt die Oper Bonn ihre Gäste willkommen in einer Abflughalle dieses Airports – einer Welt für sich, in der ansonsten Fremde einander nur flüchtig begegnen. Aber wie in Il Decamerone von Boccaccio oder Il viaggio a Reims von Rossini bilden die Reisenden für eine begrenzte Zeit eine Schicksalsgemeinschaft. Die Pest hier oder der Mangel an frischen Pferden dort zwingt sie zum unfreiwilligen Verweilen in einem geschlossenen Raum, während in der Oper Flight von Jonathan Dove ein Schneesturm den gesamten Flugbetrieb lahmlegt. Zusammen mit seiner Librettistin April de Angelis schuf Dove dieses Auftragswerk für das Glyndebourne Opera House in Südengland, das 1998 dort uraufgeführt wurde.
MOSES UND ARON – Ein Opernereignis
Der Tanz um das Goldene Kalb findet im Künstleratelier statt. Es fehlen die vier nackten Jungfrauen, die 70 Greise und die Sexorgie in der zentralen Szene von Arnold Schönbergs Oper Moses und Aron, die jetzt in der Inszenierung von Lorenzo Fioroni am Theater Bonn Premiere feierte. Eine extrem vielschichtige Präsentation eines Werks, dessen Realisierung nur wenige Häuser wagen. Minutenlanger, frenetischer Applaus für die Solisten und die Chöre. Diese Interpretation des alttestamentarischen Stoffs und die Szenografie von Paul Zoller – ein Opernereignis!
DIE LUSTIGE WITWE – Her mit den Milliarden!
Es ist was faul im Staate … Pontevedro. Die Finanzen sind erschöpft, es droht der Staatsbankrott. Ausgerechnet in Paris soll der pekuniäre Rettungsschirm aufgespannt werden. Hier, wo das Fin de Siècle alle Lustbarkeiten bereithält, wo Amüsement als Lebenselixier und Lebensmotto gilt. Die spannungsreichen Kontraste zwischen dem nur lasch als Pontevedro kaschierten, ländlich-folkloristischen Montenegro und der mondänen französischen Metropole als the place to be packen Franz Lehár und seine beiden Librettisten Victor Léon und Leo Stein dramatisch und musikalisch in ihre Operette Die lustige Witwe. 1905 dirigierte der Komponist selbst die Uraufführung dieser Tanz- und Nummernrevue im Theater an der Wien und begründete damit eine Erfolgsstory, die ihresgleichen sucht. In Köln kam nun dieses Stück der leichten Muse mit Tiefgang auf die Bühne im Staatenhaus.