Der Schauplatz ein Mietshaus in Manhattan, genauer gesagt in der Lower East Side, dem traditionell ärmlichen Milieu der Immigranten in der Zeit unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkriegs. Hier siedelt Kurt Weill seine „American Opera“ an, einen schmissigen Mix aus operalen Arien, aus Big Band Brass Sound, aus Jazz und Blues, aus Lindy-Hop und Jive, aus Filmmusik mit großem Bogen und Orchesterklängen, die drohendes Unheil mit Spannungsmusik ankündigen.
Callas – eine Lebenskurve in getanzten Bildern
Eine Legende gab sich die Ehre. Eine? Nein, gleich zwei Künstlerinnen fanden sich in der Oper Bonn ein: Reinhild Hoffmann, die 1983 am Theater Bochum das Leben dieser Primadonna Assoluta Maria Callas in gleichermaßen poetische wie wirkmächtige Bilder malte. Die einzigartige Stimme der „glitz and glam“-Sopranistin ertönte dazu aus dem Off vom Band. Wohl eher von der Langspielplatte, jedes Knistern und Knacken in den Saal verstärkt. Nichts „digitally remastered“, sondern wie die Choreografie – bis auf eine Kürzung um 15 Minuten – exakt so wie vor gut 35 Jahren.
Martin Tzonev – der Bonner Bass aus Bulgarien
Ein Publikumsliebling nimmt im schönsten Frühlingssonnenschein mir gegenüber Platz. Martin Tzonev – in der Spielzeit 2018/2019 am Theater Bonn als Bass so vielbeschäftigt, dass wir unser Gespräch immer mal wieder verschieben mussten. Unmittelbar vor der Probe für die letzte Premiere der Saison, Die Sizilianische Vesper, finden wir nun eine Lücke. Von der Donau an den Rhein: So könnte seine Kurzbiografie in wenigen Worten lauten.
Die Sache Makropulos – die Diva im Blumenmeer
Unendlich langsam hebt sich der Vorhang. Gute fünf Minuten dauert es, bis sich der Blick auf die Bühne vollständig öffnet. Rechts oben in der Eingangshalle eines – in den 1920er Jahren modernen – Bürogebäudes prangt eine überdimensionale Uhr. Die Zeit entpuppt sich als taktgebendes Thema dieser Oper von Leoš Janáček, uraufgeführt 1926 in Brünn im heutigen Tschechien.
Christopher Alden – ein Regisseur von Weltruf an der Oper Bonn
Central Park New York – hier geht Christopher Alden ausgiebig spazieren, wenn er Ideen für seine nächste Produktion entwickelt. Mitten in Manhattan, in Chelsea, gleich um die Ecke vom Empire State Building, wohnt er. Wenn er nicht gerade an Produktionen rund um den Globus arbeitet. Jetzt also in Bonn, wo er mit dem Ensemble und dem Beethoven Orchester Bonn Die Sache Makropulos von Leoš Janáček einstudiert.
Makropulos – ein Fall für die Opernbühne
Ein Krimi, ein juristischer Streit, ein Prozess um eine Kostbarkeit – so lässt sich der Plot der Oper Die Sache Makropulos von Leoš Janáček auf die kleinste Formel bringen. Worum es im Detail geht? Das empfahl der Moderator der Matinee zur anstehenden Premiere des Stücks im Opernführer nachzulesen. Was er dem Publikum aber schon heute mitgab: den Namen des Komponisten auf der zweiten Silbe zu betonen.
Marie Heeschen – Sopran an der Oper Bonn und vieles mehr
Einfach machen, sich ausprobieren, etwas Neues gestalten, sich fröhlich auf unbekanntes Terrain vorwagen – all das gehört zu Marie Heeschen wie ihr wunderbarer lyrischer Sopran und ihre wuscheligen schwarzen Locken. So frisch, wie sie in allen Opern auf der Bühne spielt und singt, so herrlich locker fühlen sich die zwei Stunden privatissime mit ihr an. Die überaus vielseitige Sängerin punktet mit Humor und Natürlichkeit. Da entwickelt sich das Gespräch aufs Heiterste und Schönste wie von selbst.
Elektra – Allein! Weh, ganz allein.
„Edle Einfalt und stille Größe“ als moralisch-geistiges und künstlerisches Ideal stoßen Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal gewaltsam vom Sockel. 1909 – und die Uraufführung der Elektra läutet eine Zeitenwende ein. Das Griechenbild der klassischen Antike, von Winckelmann und Goethe geprägt und 150 Jahre lang Grundstein der humanistischen Bildung, verliert seine Unschuld. Der Inbegriff von Vollkommenheit – unwiederbringlich dahin! Am Vorabend des ersten Metzelkrieges bringt Strauss eine Oper auf die Bühne, die alle musikalischen und dramatischen Register der Zeit sprengt.
Aile Asszonyi, die Estin mit dem dramatischen Sopran
Worauf gründet sich der Nationalstolz der Esten? Auf das Singen! Das estnische Liederfest gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und just in diesem Jahr findet es wieder – wie alle fünf Jahre – in Tallinn statt. Nahezu selbstverständlich also, dass Aile Asszonyi, die am 10. März 2019 mit der Titelrolle in Richard Strauss‘ Elektra debütiert, ihre sängerische Karriere im Estnischen Philharmonischen Kammerchor der Hauptstadt begann.
Nicole Piccolomini und ihr dunkel-samtiger Mezzosopran
Mit 17 Jahren machte Nicole Piccolomini den Traum wahr, der für viele ambitionierte Nachwuchskünstler immer einer bleibt. Sie bewarb sich an der weltberühmten Juilliard School in New York City, erhielt die Zusage und absolvierte dort ihre musikalisch-dramatische Ausbildung als Sopranistin.