Benefizkonzert für die Flutopfer – Solidarität verbürgt

Keinem der Menschen, die so viel Leid und Verlust erfahren haben, nutzt es, wenn wir uns heute Abend den Genuss versagen. So begrüßte der Bürgermeister von Bad Honnef, Otto Neuhoff, die Konzertgäste im dicht besetzten Kursaal. Für ein musikalisches Menü vom Feinsten hatte Torsten Schreiber gesorgt, dem international renommierte Künstler gern für das Konzert zusagten und auf ihre Gage verzichteten.

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Den Auftakt machten der stimmgewaltige Aris Argiris und sein kongenialer Partner und Freund am Klavier, Peter Bortfeldt. Sobald diese Wotan-Stimme anhebt, zieht sie die Zuhörer in ihren Bann. Eine große Stimme, die aber ohne jeglichen operalen Habitus hier Schuberts Vier Lieder (Der Atlas, Ganymed, An Schwager Kronos, An die Leier) gestaltet: Mini-Dramen, auch im Piano fein ziseliert. Die „zarten Saiten“ der Leier mögen an das stille Leid erinnern, die Fortissimo -Passagen an die Naturgewalt. Selten beweist ein Opernsänger wie Aris Argiris seine Kunst auch darin, so gekonnt Lieder zu gestalten.

Die Idee des Benefizkonzerts war das solidarische Miteinander. Wo vermutlich die meisten Konzertbesucher mit großzügigen Geldspenden ihre Empathie für das Leid der Betroffenen der Flutkatastrophe zum Ausdruck bringen konnten, kamen auch die „Macher“ zu Wort. Uwe Westhoven, 1. Vorsitzender des DRK, vermittelte aus erster Hand, wie der Einsatz sich vollzog. Von Campingkochern, Feldbetten und Pumpen erzählte er und auch, wie alte Walkie-Talkies und die Hilfe von Funkamateuren Verständigung überhaupt ermöglichten, als das digitale Netz ohne Strom komplett ausgefallen war.

Einen schönen Akt der Solidarität bewies Peter Bortfeldt, als er dem Pianisten Markus Kreul assistierte und umblätterte. Kreul begleitete den international anerkannten Cellisten Guido Schiefen; sie hatten Robert Schumann mit Drei Romanzen und Fünf Stücken im Volkston im Repertoire. Welches Instrument wäre besser geeignet, Anmut und Wehmut miteinander in Einklang zu bringen, als das Cello? Schiefens leichte, tänzelnde Interpretation von Schumanns Humor kommt im Abendlied in eine friedliche Stimmung, die zu zarten Träumen führt. “ … Wo ihr des Tages Jammer vergessen und verschlafen sollt.“, heißt es im Abendlied von Matthias Claudius. Klug gewählt für den Anlass!

Nicht in Bangladesch, sondern vor der Bonner Haustür, ereignete sich die verheerende Flutkatastrophe Mitte Juli 2021, so Notburga Kuhnert, stellvertretende Landrätin im Rhein-Sieg-Kreis. Sie hob in ihrem Grußwort hervor, wie unerwartet groß die Hilfsbereitschaft der Menschen in der unmittelbaren Nachbarschaft rechts und links des Rheins und darüber hinaus war und ist. Und wer Bonn (und Umgebung) sagt, denkt musikalisch immer Beethoven mit.

Neben der Gewalt des Wassers die stillen Tränen, neben dem großem Ausbruch auch die kontemplativen Phasen. Wäre das als Metapher auch für Ludwig van Beethovens Appassionata angemessen?

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Martin Stadtfeldt, als Pianist auf allen Bühnen der Welt zuhause, trug seinen eigenen Klavierhocker ins Kurhaus. Für diesen Kraftakt einer Klaviersonate wollte er sich so gut platziert wie möglich fühlen. Er durchlebte, durchlitt die Gefühlsextreme des Stücks: Sein Oberschenkelmuskel zitterte vor intensiver Pedalarbeit. Das Aufbrausen und Versinken durch“spielt“ er als Wechselbad der – und seiner – Gefühle. Die ungeheure Dynamik führt er zum eruptiven, fulminanten Finale – nahezu orgiastisch. Tosender Applaus und Bravo-Rufe werden ihm dafür zuteil. Und um das Publikum (und sich selbst) wieder auf eine normale Herzfrequenz runterzufahren, spielt er „ein kleines Stück von Händel.“ Und es ertönt … Lascia ch’io pianga mia cruda sorte, e che sospiri la libertà … (Lass mich beweinen mein grausames Schicksal, und beseufzen die verlorene Freiheit). Das berühmte Klagelied aus der Oper Rinaldo von 1705 – wie einfühlsam ausgewählt für diesen Abend und wie berührend dargeboten.

So entmutigt aus dem Konzert gehen? Vor allem, nachdem Christina Lutz, einer Architektin aus Bad Honnef, von ihren zunächst erschütternden, dann tatkräftigen Erlebnissen in Marienthal an der Ahr erzählte. Nein, das letzte Wort, den letzten Ton hatte Guido Schiefens Cello. All‘ dem Schmerz setzt er das „Lob auf die Ewigkeit Jesu“ von Olivier Messiaen entgegen. Hochgradig repetitiv ist die Musik des zeitgenössischen französischen Komponisten angelegt, mit immer wiederkehrenden Intervallen. Die Botschaft der versöhnlichen, hoffnungsvollen Schlussdarbietung in unendlich zarter Spielweise als Seelentrost: Es gibt etwas, das dieses Leid überdauert und überwindet.

Unterstützer und Sponsoren des Benefizkonzerts waren LEBENSFREUED VERBÜRGT BAD HONNEF, KulturRING Bad Honnef e.V., Johannes Wasmuth Gesellschaft, ForteClub, BEETHOVEN ACADEMY, PIANO-RUMLER, Bonn-Beuel, KIRBERG CATERING; QUINT.EVENTS, Gebäudedienste BERG.

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