Zwischen Mundstück und Mikrofon

So, nun puste mal da rein – das klingt lapidar und begründete doch die bemerkenswerte Musikerkarriere des Hornisten Klaus Wallendorf. Unter dem Dirigat aller Großen dieser Zunft hat er gespielt – Herbert von Karajan, Nikolaus Harnoncourt, Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Sir Simon Rattle – und nebenbei ein echtes Faible fürs Redenschreiben und Moderieren entwickelt. Ein Wortakrobat an der Trapezstange der Formulierlust! Im November 2020 erschien sein kurzweiliges Buch Zwischen Mundstück und Mikrofon, ein humoristischer Einblick in das Lernen und Leben eines Hornisten, der mit den renommierten Berliner Philharmonikern konzertierend die Welt bereiste.

Einen happy mix aus Lebenslauf, Anekdoten, Instrumentenkunde, Aufführungspraxis und Kantinenschnack legt Wallendorf hier vor, flüssig in Form gebracht mit reichlich Alkohol in jungen Jahren, garniert mit der Geschichte, wie seine Frau zu seiner Frau wurde, angereichert mit Kostproben seiner Dicht- und Reimweise. Und so abwechslungsreich, wie es sich hier anhört, so unterhaltsam liest sich das quasi-autobiografische Buch. Eingang in Kindlers Literaturlexikon wird es kaum finden, aber einen angemessenen Platz im Regal der Musik- und Literaturfreunde, die an Schnurren ihren Spaß haben.

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Wallendorf gelingt es, sein Konzert-Instrument und die Qualitäten eines kleineren, feinen Übehörnchens – auch irgendwie verwandt mit einem knusprig-buttrigen Croissant – dem staunenden Leser nahezubringen. Wo die Pianisten und Violonisten Solokarrieren hinlegen, kennt der Hornist Klaus Wallendorf seinen Platz im Orchester und erweitert seinen musikalischen Wirkungskreis sowohl in seiner German Brass (Band) als auch im Ensemble Eine kleine Lachmusik in ungewöhnlicher Bläserzusammensetzung.

Er kalauert sich durch Kleinstädte (Bad Lippspringe als angemessenen Ort für Hornisten) und informiert gleichzeitig mit leichter Feder über die empfindliche Lippenmuskulatur und die Schnellsprechpolka als Trainingseinheit für seine Zungenfertigkeit. Triller, Pralltriller, kurze und lange Vorschläge, Doppelschläge und Mordente bietet er als hochprofessionelle stilistische Eigenheiten an, den kleinen Schluckauf einer tonalen Fehlzündung, den Kiekser, hat jeder Hornist – unbeabsichtigt und gefürchtet – im Repertoire.

Das Ganze kommt leichtfüßig daher, Klaus Wallendorf verzichtet gänzlich aufs Dozieren. Wollte man seine Art zu schreiben stilistisch einordnen, siedelte man ihn am besten zwischen Elke Heidenreich und Wilhelm Busch, Loriot und Heinz Erhardt an. Letzterer genoss auch eine Musikerausbildung als Pianist und bekannte: „In der Schule war kein Fortkommen – also machte ich, daß ich fortkam.“* Bei Wallendorf gleitet die Erzählung mühelos von der Passion eines Kollegen für Schmetterlinge, die wirbellosen zarten Tierchen, zu dessen Einsatz im (Trommel-)Wirbel des Paukers.

Ironische Brechungen, Doppel- und Mehrdeutigkeiten, verblüffende Wendungen und blühenden Metaphern verleihen dem Werk Tempo und Witz, der allerdings beim „großen Hofzeremoniell öffentlichen Wasserlassens“ (wenn die Hornisten gekonnt das Kondenswasser aus den Windungen des Instruments schütteln) an seine oder meine Grenzen stößt.

Wie Sir Simon Rattle sich ganz lässig ohne Baton und Titel gibt, deutet Wallendorf nur an. Wie viele Lorbeeren er allerdings für die Moderationen der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker einheimste, für welche Weltstars der klassischen Musik er Abschiedsreden hielt – davon erfährt der Leser einiges. Sichtlich stolz auf Prominenz und Lebensleistung präsentiert Klaus Wallendorf seine Erlebnisse zwischen Mundstück und Mikrofon.

Eine Kostprobe seines musikalischen Wohnzimmerkabaretts finden Sie hier.

*Zitiert nach Wikipedia.

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Ich schreibe (auch) für Sie. Ihre Biografie, wenn Sie mögen. Es lohnt sich, die eigene Geschichte festzuhalten. Denn Sie sind ein interessanter Mensch mit zahlreichen Erfahrungen. Kurz, Sie haben etwas zu sagen, auch wenn Ihnen dazu die passenden Worte fehlen. Die habe ich. Schenken Sie mir Ihr Wortvertrauen! Schauen Sie gern mal vorbei in meiner Schreibwerkstatt.
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