Die Götterolympiade – Was die Antike uns heute sagt

Gut zu wissen – Götter sind auch nur Menschen. GÖTTEROLYMPIADEDa steht der Chef selbst, Göttervater Zeus, gehörig unter Heras Pantoffel. Klar, wer hier das Sagen hat. Und die Kinder. Meine Güte, die Kinder! Weibergezicke, wer hübscher oder klüger ist. Jungsgehabe, wer tapferer ist oder heftiger Party macht. Und das verhätschelte Muttersöhnchen, ein Softie, für den Zeus einen ordentlichen Donnergroll in sanftes Wetterleuchten abmildert. Alles wie im richtigen Leben. Was hat nun das olympische Familienidyll mit uns Irdischen zu tun? Das singen, tanzen und spielen der Kinder- und Jugendchor des Theater Bonn ganz entzückend. Gute Laune garantiert!

Zeus und Hera residieren im Klassenzimmer vor einer Europakarte, auf dem Lehrplan steht eine Forschungsreise ins alte Griechenland. Besonders der Alte ist genervt vom Kindergeschrei und Hera hat die Migräne. Unter den Menschen herrscht ein Chaos, alles wuselt wild durcheinander. „Wir Götter müssen Vorbild sein und sorgen für ein Gleichgewicht. Ohne uns schaffen die Menschen das nicht.“ Aber wie Ordnung in den Laden bringen? Ein Wettbewerb beginnt: Jedes Götterkind darf mit seinem ureigenen Talent für einen Tag die Geschicke der Menschheit bestimmen und Hermes wird berichten.

Auf geht’s – mit martialischen Tönen. „Kämpfen, schlagen, töten“ lautet die Maxime des Kriegsgotts Ares, für den seine Fans Plakate hoch halten und Sprechchöre skandieren. Man ahnt es – wenn der sich durchsetzt, lebt auf der Erde „bald nicht mal ne Fliege“. Von der Streitaxt schnell zum Puderpinsel. GÖTTEROLYMPIADEIns rosa Mädchen- und Douglasparadies entführt die zierliche Aphrodite. Mit lieblichen Gesängen will sie „schön sein für die Liebe“. Ihre simple Weisheit: Wer schön sein will, muss leiden. Das lässt sich nicht vermeiden.“  Darf’s noch a bissel mehr sein vom herzigen Simpelreim? „Lasst euch verführen, die Liebe zu spüren.“ Zu viel davon macht Langeweile und Hermes fordert Zeus auf, den Unfug zu stoppen, sonst hören die Leute niemals auf zu shoppen.

Das schreit nach einem Counterpart. Und da kommt er schon in Gestalt der klugen Athene. Bücher und die Wissenschaft sind ihr Metier, aber Hermes sieht auch die Gefahr. Sobald die Köpfe aller Menschen rauchen, muss Zeus das Experiment vertagen, sonst „wissen die Menschen noch mehr, als sie vertragen.“ Aha! Na, dann lass uns mal in die weinselige Walzerwelt flüchten.  Zwischen Berghain und Bayernzelt siedelt Dionysos sein Lebensmotto an: lachen, singen, feiern, trinken. Ein urgemütlicher Typ, der Dio, eine Frohnatur, dessen ultimative Party allerdings auch abgebrochen wird. Da geht es eindeutig zu locker zu.

Apoll ist der Welt entrückt; er hat gerade eine neue Oper geschrieben, da dürfen seine Musen mit. GÖTTEROLYMPIADEEr selbst findet sich ganz und gar wundervoll. Kein Zweifel, dass ihm der Lorbeerkranz gebührt. Im Hintergrund leuchten Schriftzüge wie Terpsichore und Polyhymnia auf. Schon recht abgehoben, das Wunderkind. Hermes empfiehlt Zeus, auch dieses Wagnis zu beenden, um größeres Unheil (nur Kunst und kein Brot) abzuwenden. Ja wer ist denn nun der Checker unter den Götterkindern? Das erklärt (!) sich von selbst: Hermes mit den geflügelten Schuhen. Der ist cool, dem gehört der Rap, das groovt.

Und die Menschen fragen sich, was jetzt noch kommen soll,  von den abrupten Wechseln haben sie  nämlich die „Schnauze voll.“ Kurze Analyse: Auf der Erde benehmen sich die Leute, als ob alle Sprösslinge von Zeus und Hera gleichzeitig den Ton angeben. Ja, weil jeder und jede einzigartig und besonders ist, weil schön und klug gut zusammenpassen, weil nur draufhauen zu kurz gesprungen ist, weil die Kunst und die Wissenschaft einander ergänzen, weil auch Feiern und lustig Sein zum Leben dazu gehören. Ein Loblied auf die Vielfalt und die Individualität!

Musikalisch geht’s zu wie beim European Song Contest. Gefühlige Solonummern, krasse Raps, chorus and dance girls, Schlagermelodien, Schunkelwalzer. GÖTTEROLYMPIADEDie Bandbreite wirklich klasse und die in Schwarz und Weiß gekleideten Sängerinnen und Sänger des Kinder- und Hauptchores überzeugen durch harmonischen Gesang und feinste Schauspielerei. Auf der Bühne komisch zu sein stellt höchste Ansprüche an die Nachwuchstalente. Der gute-Laune-Bär Dionysos räumt die meisten Lacher ab, der voll verpeilte Zeus lässt sich treuherzig von seiner besseren Hälfte kujonieren und diese wiederum dominiert mit spitzer Stimme und klaren Ansagen das Geschehen. Naja, die niedliche Aphrodite wiegt sich in Selbstironie und die kluge Athene weiß, dass sie alle überfordert.  Einfach wunderbar.

Auch die kleinsten Chorkinder machen – supersüß geschminkt und ausgestattet – ihrer Chorleiterin Ekaterina Klewitz und dem gesamten Publikum große Freude. Im Tutti bringen sie die Vielfarbigkeit der Musik zur Geltung und ihre dance moves kommen toll synchron rüber. Am Klavier begleitet Frau Klewitz ihre jungen Stars, am E-Bass Jacob Hirsch und am Drum Set Johannes Pfingsten. 

Das Motto des entzückenden Wettbewerbs? Was die Welt jetzt braucht, ist Liebe. Stimmt. Immer. Geht hin, genießt das heitere Spektakel, lasst euch verzaubern. Vom Kinder- und Jugendchor des Theater Bonn und ihrer Götterolympiade. 

Die amüsant-musikalische Lehrstunde in  griechischer Mythologie und allzu menschlichen Befindlichkeiten hat die Regie-Kooperative von Alexandra Alumyan, Roderick Palamar, Hannah Schiller und Victoria Telegina in Szene gesetzt, inklusive  Bühnenbild und Kostüme. Diese jungen Frauen und Männer haben alle ihr Talent im Kinder- und Jugendchor entwickelt. 

MusiKi e.V. war auch hier als Kooperationspartner in Sachen Logistik mit im Boot. 

Nächste und letzte Vorstellung am 7. Februar 2020 um 17:00 Uhr in der Werkstatt des Theater Bonn. Karten gibt es hier.

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Die Solisten von links nach rechts
vorn
Jonathan Hausmann als Dionysos *Am Abend der besuchten Aufführung sang und spielte Laszlo Helbling die Rolle 
Maximilian Teschner als Ares
Louis Bungartz als Apoll
Rea Nika Simon als Athene
Mila Siebert als Aphrodite
hinten
Klaus Essler als Zeus
Constance Beducker als Hera

Fotos von der Aufführung mit freundlicher Genehmigung des Theater Bonn © Thilo Beu

1 comment

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  1. Bom Franke

    Liebe Mechthild, vielen Dank für die nette und lebhafte Beschreibung. Habe mir noch gestern eine Karte ausgedruckt. 😊 LG Barbara

    Von meinem Xperia Smartphone von Sony gesendet

    Liken

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