Willkommen und Abschied – das Sommerkonzert der Opernfreunde im Universitätsclub Bonn

Ein kleines Jubiläum feierten die Opernfreunde und der Uniclub in Bonn: Zum 10. Mal hatten sie gemeinsam zum Sommerkonzert eingeladen. Und mehr als 200 Musikliebhaber fanden sich bei frühsommerlicher, rheinisch-schwüler Hitze im Wolfgang-Paul-Saal ein. Da waren die Damen im luftigen Sommer- oder sogar bühnentauglichen Abendkleid den Herren in Anzug und Krawatte gegenüber deutlich im Vorteil. Der Freude am Gesang und am Kunstgenuss tat das keinen Abbruch und bei Wasser, Wein, Kölsch und Saft gönnten sich Akteure und Publikum nach dem großen Schlussapplaus Erfrischendes. Sie ließen die Spielzeit Revue passieren. Aber vorher erklangen die Stimmen der Stars.

Für den Club begrüßte Sigurd Trommer. DSC_0312Er bettete die einmalig schöne Lage des Uniclubs vis-à-vis von Sankt Josef in Beuel mit der fantastischen Orgel, dem ruhig fließenden Rhein, mit dem Historischen Seminar rechts und dem anmutigen Park ringsherum in das Konzept des Konzerts ein. „Durchlässig machen!“ – und damit meinte er auch die Nähe zu den Solisten, mit denen die Gäste in einem so intimen Rahmen auf Tuchfühlung gehen.

Mit gespielt entrüstetem Augenaufschlag ergänzte Dr. Bernd HoltberndDSC_0317 (2).JPG spitzbübisch die topographischen Koordinaten des studierten Städtebauers Trommer. „Nur einen Steinwurf entfernt liegt vor allem die Oper!“ Als Vorsitzender des Vereins der Opernfreunde moderierte er souverän, pointiert und äußerst charmant die musikalische Soirée, ein ausgewiesener Kenner des Musik- und Opernbetriebs.

Als Motto des Abends wählte er Goethes wohl schönstes Liebesgedicht aus dem Sturm-und-Drang für die angebetete Elsässer Pfarrerstochter, Willkommen und Abschied. Ganz so viel Herzklopfen wie der jung Verliebte hat Anna Princeva wohl nicht, wenn sie ab der neuen Spielzeit als Ensemblemitglied des Theaters Bonn singt und spielt. Ihre stimmliche Bandbreite und ihre Ausdruckskraft reißen (nicht nur) das Bonner Publikum immer wieder zu Beifallsstürmen hin. DSC_0367.JPGSie interpretiert das Leid und die Sehnsucht nach besseren Zeiten („Dove sono“ aus der Hochzeit des Figaro) so berührend und fein, wie sie überschäumend kokett die Glitzerwelt des Traums und der funkelnden Juwelen als Gretchen aus Faust mit „Ah! Je ris de me voir.“ darbietet.

Anna Princeva verkörpert auch hier in diesen Kostproben den prächtigen Moment des flüchtigen Glücks, vielleicht als Metapher für die Scheinwelt der Oper. Ganz großartig, so hautnah mitzuerleben, wie sie ihren Figuren auch spielend und tanzend Leben einhaucht. Ihre Bonner Fans verzauberte sie in der Spielzeit 2018/19 mit drei gigantischen Rollen: Elsa im Lohengrin und zwei Helenen in Verdis Opern Jerusalem und Die Sizilianische Vesper

Von den Höhen des Soprans zu den Tiefen des Bass-Baritons. DSC_0330.JPGIvan Krutikov glänzte in der ablaufenden Spielzeit als Heerrufer des Königs im Lohengrin und als Baron Prus in Die Sache Makropulos. Bitte einen Russen mit einer so voluminösen Stimme, das Lied der Wolga-Mutter zu singen, und ein Riesenbeifall ist garantiert! Ivan überzeugte ebenfalls mit zwei Arien aus Boris Godunow – die des Titelhelden und des Andrei Schtschelkalow. Fast ein Ozean von einer Stimme, so wie Anna nahezu einen Kosmos in ihrer trägt.

In den mittleren Lagen komplettierten Kathrin Leidig als Mezzosopran und Christian Georg als Tenor das sängerische Quartett. Welch eine Freude, Kathrin hier – wenn auch zum letzten Mal – zu erleben. Bonn wird ihr nachtrauern. DSC_0322.JPGAcht Jahre lang gehörte sie zum Ensemble, erfreute ihre Bewunderer mit Hosenrollen wie als Cherubino im Figaro oder als Arsamene im Xerxes, in ernsten Rollen wie Meroe in Penthesilea oder Krista in Makropulos. Aktuell gibt sie in der Oper Bonn die Zerlina in Don Giovanni – wo ihr Charme und ihre Finesse deutlich machen, dass nicht nur Mozart diese Figur besonders liebte.

Sie bot den „verträumten Duft der Hochromantik“ mit 1.000 Blüten aus dem Lied „Der Gärtner“ dar. Hugo Wolf komponierte das zauberhafte Stück nach einem Gedicht von Eduard Mörike. „Holde Träume, kehret wieder“, hieß es danach in „Nacht und Träume“ von Franz Schubert. Gut gewählt! Verkörpert doch Frau Leidig perfekt einen mädchenhaften Charme, dem ihre Fans so spontan verfallen. Nun kehrt sie in ihre süddeutsche Heimat zurück und beginnt eine Ausbildung zur Logopädin.

Mit großem Bogen und langem Atem bot Christian Georg die Arie des Lenski aus Eugen Onegin dar.DSC_0363.JPG Ihm gelang es, die Not und die Verzweiflung über die Liebe zu Olga in das Wunder einer Arie zu packen. Das Publikum verstand auch ohne Worte, was den Mann bewegte. Georg schreitet seinen tenoralen Kreis zusehends aus – und wechselte von Tschaikowsky zu Wagner. „In fernem Land“, die Gralserzählung aus dem Lohengrin fesselt stets aufs Neue. Bremen ist nicht ganz so fern wie die Heimat der legendären Artusrunde, aber dorthin zieht es den Tenor, der sich in Bonn in Marx in London, Kaiser von Atlantis, Die Sache Makropulos und in Don Giovanni große Meriten verdient hat.

Bon voyage – DSC_0374aber bitte mit einem perlenden, schäumenden Abschied. Im Duett mit Anna Princeva ertönte der Brindisi, der Trinkspruch aus Verdis La traviata, „L’ibiamo“, der unsterbliche Toast auf das Leben. Hier macht schon die Musik trunken!

 

Vier Sängerinnen und Sänger und eine Pianistin – die einfühlsame und individuell abgestimmte Begleitung am Klavier gestaltete Julia Strelchenko. DSC_0337Da spürt das Publikum ihre Liebe zur Musik gleichermaßen wie ihre ungeteilte Aufmerksamkeit für die Solisten. Und die Anerkennung, die die Solisten ihr zuteilwerden lassen. Arbeitet sie doch als Studienleiterin oft so eng mit ihnen zusammen, bis auch wirklich der letzte Feinschliff vor der Premiere sitzt. Sie erfreute die Konzertgäste mit einem entzückend-temperamentvollen Walzer aus dem Ballett in der Oper Eugen Onegin von Tschaikowsky. Brava! Nicht so prominent zu sehen, aber ebenso eindrucksvoll zu hören war sie am Cembalo in den Opern Xerxes und aktuell im Don Giovanni

Für genau ein Jahr verlässt sie Bonn, um sich in Ruhe ihrer wachsenden Familie zu widmen. Sie versprach aber, zu Konzerten (eine weitere Winterreise mit Marie Heeschen!) in ihre Wahlheimat zurückzukehren. Hier also nur ein Abschied auf Zeit.

Benedikt Holtbernd verband mit dem Dank an die beiden Organisationsteams der Opernfreunde und des Uniclubs den freundlichen Appell, dem Verein der Opernfreunde beizutreten. Mit musikalischen Delikatessen und exklusiven Künstlertreffen engagiert er sich für die Opernkultur in unserer Stadt. Und pflegt BeziehungenDSC_0380.JPG – auf deren Grundlage schenken die Künstlerinnen und Künstler in ihrer Freizeit (wie an diesem 18. Juni 2019) Kostproben aus ihrem Repertoire. Als Dank an Christian Georg, Ivan Krutikov, Kathrin Leidig, Anna Princeva und Julia Strelchenko überreichte man Blumen, Champagner und Beethoven-Kalender.

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Willkommen Beethoven 2020!

1 comment

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  1. Sigurd Trommer

    Ein sehr stimmiger, gut vermittelnder Bericht über ein wunderschönes sommerliches Konzert der Bonner Opernfreunde mit dem Universitätsclub Bonn!

    Gefällt mir

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